Umweltfreundlichkeit/Schädlichkeit von Negativentwickler

  • Angeregt durch diverse Diskussionen auch in anderen Foren (sowie auch die eigene Bequemlichkeit) mache ich mir durchaus Gedanken über die Entsorgung der Fotochemie.

    Man kann hier sicherlich festhalten, dass einige Entwicklerrezepturen (meist: je älter, umso giftiger) potentiell gefährliche Stoffe enthalten, andere freundlicher agieren. Eine etwas exotische Paraderolle dürfte hier Caffenol haben, ein alternativer Entwickler aus Kaffee, Soda und ggf. Vitamin C.
    Moersch Eco efd soll angeblich ebenfalls direkt ins Klo entsorgt werden können.
    Xtol basiert auf einem Vitamin C-Derivat- weiss hier jemand mehr über sonstige Inhaltsstoffe?

    Rodinal als Entwickler basiert auf Aminophenol (was als Ausgangsprodukt für das Schmerzmittel Paracetamol dient, de facto basiert der Entwickler Parodinal darauf, dass die Schmerztabletten nach dem Auflösen nach einiger Zeit u.a. wieder in Aminophenol zerfallen) und einigen Salzen/Alkalien, die bei entsprechender Verdünnung durchaus dem entsprechen dürften, was in Lebensmitteln oder Medikamenten drin ist, die ohnehin in Mengen eingeleitet werden.

    (Dass gewerbliche Verwender hier sicher Auflagen zur Entsorgung einhalten müssen, ist unbestritten, da die Mengen grösser sind, ein Gespräch mit dem Leiter einer Kläranlage ergab auch, dass er in der Verdünnung, die Filmentwickler von Privat so auf dem Wege zur Anlage in der Kanalisation nehmen wird, dieses kaum noch wahrnehmen wird)

    In meinen Augen ist sowas sicher auch ein Kaufargument dafür, derartige Produkte zu bevorzugen- wäre interessant, hier auch aus Händlersicht ggf. einen Überblick über die Marktsituation zu bekommen...
    Wer kann hier noch Produkte nennen, die im Idealfall direkt nach der Entwicklung ohne schlechtes Gewissen ins Klo entsorgt werden dürfen?

  • Zitat von "Olaf.Hoyer"

    Xtol basiert auf einem Vitamin C-Derivat- weiss hier jemand mehr über sonstige Inhaltsstoffe?

    In der Anfangszeit, als es Xtol nur in 1L-Packungen zu kaufen gab, klebte noch ein Warnhinweis auf dem kleineren der beiden Beutel. In Laborversuchen seien bei Mäusen Schäden am Erbgut beobachtet worden, hieß es (auf Englisch). Diesen Hinweis gibt es heute nicht mehr, und irgendwie habe ich den Eindruck, dass Xtol im Internet beinahe als Erfrischungsgetränk gesehen wird - wegen der darin enthaltenen Ascorbinsäure.

    Grüße, Jürgen

  • Und ein Chemiker namens F.B. schrieb in diesem Zusammenhang einmal in einem Forum:

    Wer sich zu Gemüte führt, was in Klo-Reinigern steckt, der sollte sich über Fotochemie bitte
    keine Gedanken machen.


    So oder ähnlich war dessen Kommentar zu diesem ewig jungen Thema.

    Und Olaf, je älter, desto giftiger. Wie kommst du denn bloss darauf?

    Ich arbeite mit Entwickler, mit Stoppbädern, vor allem mit Fixierbädern, die so mehrere Jahrzehnte
    erhältlich sind. Diese enthalten allesamt kein Gift oder Stoffe, die genverändernd wirken, oder
    sonstwie krebsauslösend sind.

    Es gibt schon auch jahrzehntelang angebotene Fotochemie aus deutschen Landen, die sehr modern ist,
    was die Umweltverträglichkeit betrifft.

  • Zitat von "Brigitte Nath"


    Wer sich zu Gemüte führt, was in Klo-Reinigern steckt, der sollte sich über Fotochemie bitte
    keine Gedanken machen.

    Das will ich so nicht stehen lassen, weder Natriumselenat, noch Schwefeldioxid oder Schwermetalle haben etwas in Gewässern zu suchen.
    Und wenn ich hier lese das andere Leute vor haben mit Kaliumdichromat experimentieren zu wollen und das in einem tropfenden selbstgebauten Entwicklungstank, wird mir schlecht.

  • Genau dieses- Fixierer wird bei mir auch gesammelt incl. Etikett mit Abfallschlüssel auf dem Behälter, dass später die Entsorger wissen, was da drin ist. Abgesehen davon, dass man noch Hoffnung hegt, dass hier ggf. das Silber noch recycelt wird...

    Mein Ziel war, hier ggf. eine Auflistung von Produkten (oder Stoffen) in Erfahrung zu bringen, die verhältnismässig wenig schädlich sind im Vergleich zum am Markt angebotenen Spektrum. Dass hier sicherlich einige Exoten an Firmen vielleicht besser punkten können als der etablierte Massenmarkt, ist sicher eine Vermutung/Hoffnung. Meine nächste Kaufentscheidung für ne neue Flasche Entwickler wollte ich schon von diesem Thema beeinflussen lassen, und ich denke, für einige Neu/Wiedereinsteiger in die Negativentwicklung gehts ähnlich.

    "Je älter, desto giftiger"- hier bezog ich mich darauf, dass früher einerseits mangels Langzeiterfahrungen stellenweise recht sorglos mit einigen Chemikalien umgegangen wurde, und erst in neuerer Zeit erkannt worden ist, dass einige Stoffe doch nicht soo toll sind, was die potentiellen Risiken anbelangt. Dass da sicher auch Rezepturen dabei sind/waren, die auch nach heutigen Massstäben gut abschneiden, ist unbestritten.

    Aber: Welche Produkte, auch die, die schon lange am Markt sind, sind denn nun halbwegs ungiftig?

  • Zitat von "Bastian Schramm"

    Das will ich so nicht stehen lassen, weder Natriumselenat, noch Schwefeldioxid oder Schwermetalle haben etwas in Gewässern zu suchen.


    Von Schwermetalltonern war hier ja gar nicht die Rede.

    Und dass man gebrauchtes Fixierbad zur Schadstoffsammelstelle bringt, da sind sich eigentlich auch alle einig.

    Viele vergessen, dass auf "normalem" Wege viele Schadstoffe ins Abwasser gelangen. Reinigungsmittel und Exkremente enthalten eine Vielzahl von Stoffen, die keiner von uns trinken würde. Durch entsprechende Maßnahmen (Kläranlagen, ...) werden die Abwässer aber so aufbereitet, dass die Schadstoffe eben nicht mehr schädlich sind.
    Stoppbäder sind schwache Säuren, also kein Problem (obwohl Zitronensäure als E330 ja jahrelang als krebserregend diskutiert wurde...); ebenso die Alkalien der Entwickler. Schwefel landet auf so vielen Wegen im Abwasser, da spielt das Natriumsulfit im Entwickler keine Rolle mehr. Die problematischen Substanzen wie Metol, Hydrochinon, Phenidon, ... sollten im aktiven Zustand nicht unbedingt getrunken werden. Sie reagieren aber (eben weil sie so aktiv sind) gerne mit unterschiedlichsten Substanzen und davon erhalten sie im Kanal so viel, dass es mit der Aktivität schnell vorbei ist. Und das, was dann übrig bleibt, ist dem was da sonst noch so rumschwimmt gar nicht so unähnlich...

    Also: Mit Photochemikalien sollte man so umgehen wie mit allen anderen Stoffen, die keine Lebensmittel sind, und das gelegentliche Einleiten von gewöhnlicher benutzter Entwicklergebrauchslösung belastet das Abwassersystem nicht mehr als alles andere auch.

    Swingende Grüße

    Henning

  • Bastians Aussage kann ich nur unterstützen.

    Bitte kein gedankenloser Umgang mit (Foto)chemie!

    Die Bewertung von Chemie bezüglich ihrer Umweltrelevanz hat sich in den letzen Jahren und Jahrzehnten deutlich geändert- und das ist auch gut so.

    Chemikalien wie Kaliumdichromat oder Quecksilber (und seine Salze) sollten heute unbedingt Tabu sein- auch wenn man in alten Fotobüchern Rezepte und Vorschriften findet, die solche Problemstoffe enthalten. (Bei den genannten Stoffen gibt es nicht nur eine "abstrakte" Umweltgefahr, sondern eine konkrete direkte Gefährdung der eigenen Gesundheit).

    Manche Inhaltsstoffe von Fotochemikalien sind sicherlich unbedenklich- andere sind es leider nicht. Die Bewertungen ändern sich- deshalb bitte immer sorgfältig und gewissenhaft mit der Chemie umgehen!

    Gruß
    Klaus

  • Zitat von "Brigitte Nath"

    Und ein Chemiker namens F.B. schrieb in diesem Zusammenhang einmal in einem Forum:

    Wer sich zu Gemüte führt, was in Klo-Reinigern steckt, der sollte sich über Fotochemie bitte
    keine Gedanken machen.

    genau aus DEM Grund - lieber das Essig/Citrostoppbad auch als Kloreiniger zu nutzen ...
    weniger Chemie! Weniger Umweltbelastung! UND ein sauberes Klo! :mrgreen:

    Lieben Gruß
    Jutta

    Licht ist Lebenselement

  • Nur mal rein interessehalber - weiß jemand wie es um die Schädlichkeit von gebrauchtem Bleichbad bestellt ist? Ich meine solche Bäder, die fürs indirekte Tonen verwendet werden, also auf Basis von rotem Blutlaugensalz. Silberhaltig dürften solche Lösungen doch nicht sein, oder?

  • Zitat von "Olaf.Hoyer"

    Rodinal als Entwickler basiert auf Aminophenol (was als Ausgangsprodukt für das Schmerzmittel Paracetamol dient, de facto basiert der Entwickler Parodinal darauf, dass die Schmerztabletten nach dem Auflösen nach einiger Zeit u.a. wieder in Aminophenol zerfallen) und einigen Salzen/Alkalien, die bei entsprechender Verdünnung durchaus dem entsprechen dürften, was in Lebensmitteln oder Medikamenten drin ist, die ohnehin in Mengen eingeleitet werden.

    heißt das das ich den Rodinal einfach ins Klo kippen kann? schwer vorstellbar, bei den ganzen Warnhinweisen die da aufgedruckt sind.
    Oder gilt das nur bei einer ganz bestimmten Verdünnung?

    Gruß
    Werner

  • Hallo zusammen,

    habe teilweise amüsiert und teilweise erschrocken diesen Thread hier durchgelesen.

    Um hier mal ein bisschen Klarheit reinzubringen:

    Laut §3 Abs. 1 Kreislauwirtschafts- und Abfallgesetz sind Abfälle als "bewegliche Sachen, deren sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss" definiert.

    Bei Entwicklerlösungen handelt es sich um Abfälle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.
    Abfälle aus privaten Haushalten unterliegen grundsätzlich der Überlassungspflicht an öffentlich rechtliche Entsorgungsträger.

    Daher ist es auch prinzipiell überall möglich gebrauchte Fixierer / Entwickler unentgeltlich abzugeben um sie einer umweltgerechten Entsorgung zuzuführen.

    Im Einzelfall kann auch eine Entsorgung flüssiger Abfälle über Kläranlagen
    in Betracht kommen. Nach § 55 Abs. 3 WHG setzt die Beseitigung flüssiger
    Stoffe, die kein Abwasser sind, mit Abwasser u.a. voraus, dass eine solche
    Entsorgung der Stoffe umweltverträglicher ist als eine Entsorgung als
    Abfall. Diese Voraussetzung ist hier jedoch nicht erfüllt.
    Entwicklerlösungen, Fixierbäder sowie Bleich-Fixierbäder sind gefährliche
    Abfälle im Sinne des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes. Nach § 10
    Absatz 4 Satz 1 Kreislaufwirtschaftsgesetz sind Abfälle so zu beseitigen,
    dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird. Eine
    Beeinträchtigung liegt insbesondere vor, wenn ..3. Gewässer und Boden
    schädlich beeinflusst werden.

    Eine Einbringung gefährlicher Stoffe in die Kanalisation (auch nach Verdünnung) war, ist und bleibt verboten.

    Daher:
    Warum kompliziert machen? Jeder hat die Möglichkeit Photochemikalien kostenlos einer umweltgerechten Verwertung zuzuführen, warum also nicht einfach machen?

  • Zitat von "Stefan Höhn"


    Warum kompliziert machen? Jeder hat die Möglichkeit Photochemikalien kostenlos einer umweltgerechten Verwertung zuzuführen, warum also nicht einfach machen?

    ganz einfach: weil es einem extrem schwer gemacht wird. ich muss z.b. warten, bis mal ein schadstoffmobil in die nähe kommt (ca. 1mal pro monat), dann muss ich mir dazu ein auto leihen (ich besitze keines), da per rad auch nicht einfacher. dort hinfahren und sich danach vom personal des schadstoffmobils erniedrigen lassen ("mengen zu groß" - ich hatte letztes mal ca. 10 l verbrauchte bäder dabei, was bei s/w-abzügen schnell zusammenkommt). ich musste dann erstmal mit dem kerl rumdiskutieren, dass das privater hobby-abfall ist. der typ meinte, ich solle das zeug zurück zum händler schicken, die seien verpflichtet, das zurückzunehmen (was ich bezweifle - verdünnte lösungen per post zu unseren kompetenzpartnern???). jedes mal so oder so ähnlich. da kommt man in versuchung, das zeug einfach ins klo zu schütten.
    und es gibt ja auch solchen fixierbad-entsilberer, der das gefährliche schwermetall filtrierbar macht. und bei parodinal und caffenol ist meine hemmschwelle ehrlich gesagt recht gering.
    dazu kommt die unsicherheit. die hersteller schreiben im allgemeinen nichts über die entdorgung auf ihre packungen. z.b. beim rollei digibase c-41-kit steht nichts drauf, was man wie entsorgn muss. ilford, kodak und tetenal IMHO dito.

  • Das steht dann im Sicherheitsdatenblatt was man sich notfalls im Internet anschauen kann

    Naja und die Aussage von dem Herrn vom Schadstoffmobil war ziemlich unqualifiziert :)

  • glaube da mal was von max. 20l Volumen oder so gelesen zu haben. Um das Volumen beim Fixierer gering zu halten, setze ich ihn nur in der Verdünnung 1+4 an. Bis dann mein 5l Kanister voll ist, habe ich ca. 100 FIlme damit fixiert, kommt bei mir nicht sooo schnell zusammen.
    Als Papierentwickler benutze ich Calbe N113, der hält seehr lange, bei Barytabzügen fällt praktisch kein zu entsorgender Entwickler an, alle paar Wochen kann man das durch Verschleppung und Verdunstung verlorengegangene Volumen wieder mit frischem Entwickler auffüllen.
    Überlege mir, auf Papierentwickler umzusteigen, bei denen der Hersteller sagt, dass über die Kanalisation entsorgt werden kann, und gleichzeitig eine gute Haltbarkeit (das sind für mich mehrere Monate für die Arbeitslösung) angibt, mir sind da Moersch Eco 4812 und Spur Dur Öko bekannt.
    Für Filme bin ich auch noch auf der Suche nach einer ökologischen Variante. Wenn man Einmalentwickler verwendet, dann fallen bei Mittelformat ca. 500ml zu entsorgender Entwickler pro Film an. da ist dann der 5l Kanister schon bei 10 Filmen voll, was schon schneller zusammen kommt. Darum ist ein "Öko-Filmentwickler" wirklich interessant.
    Moersch hat einen neuen ökologischen Entwickler, Spur gibt auch an, keine Gefahrstoffe für seine Filmentwickler zu verwenden. (wenn ich das richtig verstanden habe). Die aktuelle Version des Rollei High Speed macht mir auch den Anschein, problemlos in der Entsorgung zu sein, hat zumindest weniger Warnhinweise als mein Toilettenreiniger. Insgesamt sollte der Entwickler dann aber auch mit dem FIlm harmonieren.
    Was mich in der Tat interessieren würde, wäre, ob man Xtol wirklich einfach so im Lokus entsorgen kann, wie ich es schon oft gehört habe. Sonst wäre das auch eine Alternative.