Womit was am besten schmieren?

  • Hallo Forum,

    analog zum Nachbarthread, in dem es um passende Reinigungsmittel geht, lassen sich hier vielleicht Tips und Erfahrungen zu passenden Schmiermitteln geben.

    Alles, was eher gleitet als dreht, fette ich mit Lagerfett, genaugenommen hiermit:

    klueber_fett.jpg

    Die Tube Klüber-Lagerfett hat uns mal ein lieber Freund mitgebracht, der bei Rolls-Royce in der Triebwerksfertigung arbeitet, dort wird das Zeugs für Kleinkram wohl gern und oft genommen.
    Das, was rückseitig auf der Tube steht, stimmt auch, das Zeug ist auch bei Frostgraden noch so tauglich, dass da keine Mechanik ins Bummeln kommt. Relativ dünnflüssig (in der Tube eher breiig) lässt es sich prima mit einem Pinselchen auftragen, wird dann aber fest wie bei Lagerfett üblich. Mir ist bislang noch nix besseres untergekommen.

    Da, wo es was zu ölen gibt, nutze ich immernoch Ballistol, allerdings merke ich schon, dass das relativ flüchtig ist. Meine A1 hat nach einem guten Jahr ihren Keuchhusten zurück und ich muss wieder ran.
    Im Baumarkt hatte ich mal eine Flasche Centralin Universal-Maschinenöl gefunden, ursprünglich für meine Spinnräder gedacht hat sich das allerdings auch bei den Kameras bewährt. Es ist ebenfalls harz- und säurefrei (ich vermute da drin auch nur schnödes Paraffinöl wie im Ballistol), allerdings etwas dickflüssiger als ersteres, und geht leider dadurch nur schwer durch die kleine Kanüle, die ich zum Schmieren der Winzmechanik benutze. Mitm Pinsel kommt man halt doch nicht überall dran.

    Gibts da Alternativen?

    Was nutzt ihr so?

    "Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch."

  • Bei gleitenden Flächen, also z.B. Scharnieren von Faltern usw., nehme ich ebenfalls ein gutes Lagerfett. Mit feinem Pinsel haudünn aufgetragen.
    Für Verschlüsse nehme ich vollsynthetisches Uhrenöl. Manches Mal nutze ich einen Zahnstocher als eine Art Pipette, manchmal auch eine Einwegspritze mit sehr feiner Kanüle. Eben je nach Einsatzort.

  • Ballistol würde ich nicht verwenden, das ist Kraftfutter für Pilze und Bakterien.

    - - - Jetzt mal im Ernst: Ich heiße Erich! - - -

  • Ballistol würde ich nicht verwenden, das ist Kraftfutter für Pilze und Bakterien.

    Es wird vor allen Dingen nach einer Weile doch zu "fest" Feinste Teile, die sehr leicht laufen, bleiben wieder stecken. Ich würde es nicht wieder in Verschlüssen einsetzen. Jedoch in Spiegelmechaniken und Aufzugsteilen der Kamera schon. Dort wo mir Uhrenöl zu flüssig ist und Fett zu fest.

  • Bonjour Dörte,

    wir nehmen ein vollsynthetisches Uhrenöl für Großuhrwerke und Lithiumfett.

    Wichtig ist immer auf den passenden Temperaturbereich zu achten, bei uns - 15 C° bis +100 C° und sparsamste Anwendung. Wir benutzen dazu einen alten feinen 1 mm Ausfleckpinsel. Damit lassen sich Öl und Fett in mikroskopischen Mengen punktgenau auftragen.

    Salut,

    vom Zappa und dem kleinen Tiger (…der sagt: und dann flutscht öss wüda!)

    Markennamen??? - Egal, wenn wir nur damit photographieren können…

    Unsere Negativformate:

    6 x 9, 9 x 12, 13 x 18, 18 x 24, 24 x 30 cm
    4" x 5", 8" x 10", 16" x 16", 16" x 18", 24" x 26" - Inch

  • Von der Website des Herstellers:

    "[...] Die desinfizierende Wirkung von Ballistol wurde ebenfalls untersucht. So werden die Krankheitserreger Staphylococcus aureus durch unverdünntes Ballistol in einem Zeitraum von 3-10 Minuten abgetötet, Typhus-, Paratyphus- und Tuberkuloseerreger innerhalb von einer Minute, Kolibakterien in drei Minuten. Keimzahltests bewiesen sogar, dass in Ballistol weder Bakterien noch Hefen oder Pilze vermehrungsfähig sind. "

    siehe: http://www.ballistol-shop.de/Ballistol-Story:_:40.html

  • @Andreas,
    Jäger, Förster und Waldarbeiter schmieren sich das Zeugs auf kleine Wunden, Abschürfungen und auf Zeckenbisse, pflegen ihre Waffen und gute Werkzeuge damit, heilen gebrochene Schienbeine und machen die Ketten ihrer Bagger wieder gangbar und man munkelt, dass sogar Transplantationsmediziner Ballistol zur Wunddesinfektion einsetzen.
    (Einiges in der Aufzählung war natürlich geringfügig übertrieben).

    Ich selber nutze Ballistol gerne. Aber eben nicht mehr in den Verschlüssen der Kameras. Für sehr feine bewegliche Teile ist es nach meinen Erfahrungen nach einer Weile einfach nicht mehr geeignet.

  • Ballistol (wie auch Nähmaschinenöl) verflüchtigt sich gerne. Und da, wo es nieder schlägt, hat man dann später einen Schmier, der mir sehr nach Bakterien aussieht. Und es schlägt sich ja nun mal auf den Gläsern nieder.

    Ballistol kann auch Kupfer angreifen, also elektrische Kontakte zerstören.

    Allerdings ist Ballistol ganz allgemein umstritten:

    http://forum.wildundhund.de/showthread.php…%BCnnierung-an-!

    Jeder, wie er mag...

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  • Von der Website des Herstellers:

    "[...] Die desinfizierende Wirkung von Ballistol wurde ebenfalls untersucht. So werden die Krankheitserreger Staphylococcus aureus durch unverdünntes Ballistol in einem Zeitraum von 3-10 Minuten abgetötet, Typhus-, Paratyphus- und Tuberkuloseerreger innerhalb von einer Minute, Kolibakterien in drei Minuten. Keimzahltests bewiesen sogar, dass in Ballistol weder Bakterien noch Hefen oder Pilze vermehrungsfähig sind. "

    siehe: http://www.ballistol-shop.de/Ballistol-Story:_:40.html

    Ja, im frischen Zustand ist das so. Aber die Bestandteile verflüchtigen sich mit der Zeit.

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  • "Aber als Nährboden für Pilze und Bakterien scheint es auch nicht geeignet zu sein."

    Ich denke das ebenfalls nicht.
    Andererseits weiß ich jedoch auch nicht, wie sich Ballistol macht, wenn die desinfizierende und fungizide Wirkung verflogen ist und nur noch der Schmierstoffanteil zurückbleibt.
    Denn mit den Desinfektionsmitteln ist das so eine Sache. Sie wirken ja nur für den Augenblick, d.h. ihrer Einwirkzeit entsprechend. Schon kurze Zeit danach können Bakterien und Sporen wieder Karneval feiern.
    Das bezieht sich jedoch dann nicht nur auf Ballistol sondern auf so ziemlich alles Schmierstoffe.

  • Okay, nach der Lektüre des Wikipedia-Artikels zu Ballistol kann ich jetzt auch inhaltlich nachvollziehen, was unser Mitforent Dominique Blach innem anderen Thread gemeint haben könnte, als er wortreich seine Verdienste um die deutsche Feinmechanik beschrieb. Aber warum einfach, wenn es... naja. 8)
    Was es mit dem milchigen Film auf sich hat, ist da auch sehr schön erklärt.

    "Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch."