Haltbarkeit Fotopapier vor Entwicklung

  • Hallo.

    Ich habe seit knapp 3 Jahren meine DuKa stillgelegt, möchte sie nun aber nach einem bald anstehenden Umzug wieder in Betrieb nehmen. Ich hab noch größere Restbestände Papier, vor allem ADOX MCP 310 PE- und MCC 110 Baryt-Papier. Das Papier lag in meiner DuKa direkt unter der Dachschräge, wo es im Sommer auf 28°C warm wird und ich denke, dass es etwa 4, vielleicht auch 5 Jahre alt sein könnte.

    Wie ist die Haltbarkeit von solchen Papieren? Ewig hält nichts, aber ist bei der Lagerdauer und -art meines Papiers schon eine merkliche Änderung zu erwarten? Ich nutze das Papier mit einem Heiland-Splitgrade-System und verwende natürlich die von Heiland einprogrammierten Profile für die Papiere, die schon noch passen sollten.

    Ich frage, weil ungerne Papier aufwendig verpacken und mehrere 100 km durch die Republik transportieren würde, um dann, wenn ich in ein oder zwei Monaten mal wieder einen DuKa-Nachmittag verbringen möchte, entnervt aus der DuKa zu kommen, weil das Papier Schrott ist; wenn sicher ist, dass es schon nicht mehr ok ist, besorge ich lieber neues. Wenn man allerdings sagen kann, dass wahrscheinlich noch alles ok ist, würde ich es natürlich mitnehmen.

  • Ich habe vor etwa 2 Wochen mal wieder Abzüge gemacht nach 18 Jahren Pause auf Ilford Multigrade, welches mindestens ebensoviel Jahre
    auf dem Buckel hat.

    Zum Testen habe ich einfach Fotopapier in der Größe 13x18 cm benutzt, ebenfalls Ilford Multigrade, allerdings brandneu.

    Die kleinen Testpapiere waren im Aussehen praktisch identisch mit den großen alten Bögen zu 30*40 cm.
    Die alten Papiere, die ich noch habe, werde ich deshalb nach und nach aufbrauchen.

    Allerdings sind die 3 Abzüge, die ich gemacht habe, nur im Passepartout zu gebrauchen.
    Es gibt genau an den Rändern ein paar Flecken von ein paar Millimetern Ausdehnung leicht bräunlicher Färbung,
    Ich bin jetzt nicht sicher, ob da nicht genug Fixierer hingekommen ist oder da doch ein irgendwie gearteter Alterungsprozess zugeschlagen hat.

    Das ist jetzt nur ein Erfahrungsbericht von mir, allgemeine Empfehlungen will ich natürlich nicht abgegeben.

  • Vor gut 20 Jahren habe ich einen wahren Berg an diversen Fotopapieren für fast lau erhalten. Zumindest der Kofferraum eines Golf 4 war bis oben hin gefüllt. Ein Fotostudio stellte damals auf Digital um und war einfach froh die Papierbestände loszuwerden. Da war irgendwie alles dabei: Formate von 8x13 bis 50x60, Hersteller von Agfa über Tetenal bis Ilford, Festgradation & VC, Baryt und PE, glossy und matt. Von diesen Beständen lebe ich noch heute und habe in meinem Leben nur eine einzige Packung nagelneues Fotopapier gekauft; vor dem Erwerb der Restbestände.

    Zwischen damals und heute liegen 9 Umzüge, entsprechend auch 9 unterschiedliche Lagerorte und Klimabedingungen für das Papier. Bisher bin ich immer mit aus meiner Sicht qualitativ guten Ergebnissen aus der Duka gekommen. Sehr selten habe ich eine Papierpackung in die Hand bekommen, die tatsächlich unbrauchbar war. Wahrscheinlich gab es bei einzelnen angebrochenen Packungen "Lichtunfälle". Zumindest "saufen" derartige Papiere im Entwickler immer direkt ins Dunkle, gar Schwarze ab; was dann für den Rest der entsprechenden Packung ebenfalls der Fall ist.

    Hin und wieder kommt mir der Gedanke doch endlich mal eine Packung Neupapier zu kaufen. Und sei es einfach für einen Vergleich.

    Sofern mich Abzüge bisher nicht überzeugten, lag das entweder am Motiv oder an meiner schlechten Ausarbeitung. Nie aber am Papier.

    Und: nach wie vor bin ich total erstaunt, wie robust und langlebig das Fotopapier im Praxistest ist. Sowohl Alter, als auch fachgerechte Lagerung dürften meilenweit von sämtliche Empfehlungen im fachgerechten Umgang mit Fotopapier entfernt liegen.

    Meine Empfehlung: Nimm Deine Bestände mit und fang nicht gleich mit einer ganznächtlichen Duka-Sitzung an, sondern erst mal mit einem oder zwei Motiven starten. Wenn das Papier dann wider Erwarten doch Schaden erlitten hat... so what... wegschmeissen kannst Du es dann immer noch. Wäre aber doch ärgerlich, wenn Du aus überzogener Vorsicht den Materialwert nachinvestieren müsstest.

    Hinsichtlich des aufwändigen Verpackens: Meine Papierbestände wurden immer in normale Umzugskartons gepackt & Lücken ggf. mit Füllmaterial geschlossen, damit nichts verrutscht. Hat die bisherigen 9 Mal immer problemlos funktioniert. Das Einzige, was ich bisher noch keinem Umzugshelfer überantwortet hatte, war der Transport des Belichters und meiner Kameraausrüstung. Beides wurde (und wird!) immer persönlich von mir transportiert ;)

  • Servus Thorsten,

    natürlich gibt es Erfahrungswerte mit gewissen Papieren. Ganz sicher hängt die Haltbarkeit jedes Materials von der Aufbewahrungstemperatur und den in der Luft enthaltenen Gasen ab. Kühl ist viel besser als 28°, aber das weißt du ja. Baryt ist chemisch stabiler als PE, das viel eher zum Schleiern neigt. Cadmium in der Emulsion lässt so manch schon recht altes Papier noch erstaunlich frisch wirken, ist aber seit vielen Jahren in der EU verboten.

    Dein Adox MCP hat geringere Chancen, noch brauchbar zu sein, als dein MCC. Beides sind "junge" Emulsionen, deren Haltbarkeit nicht eben gar so gut ist, schon gar nicht bei hohen Temperaturen. Andererseits sind 4-5 Jahre nicht gar so viel. Auf jeden Fall würde ich die Papiere ausprobieren, sie ungesehen zu entsorgen ist Unsinn! Achte speziell auf die Bildweißen im Vergleich zu einem gar nicht entwickelten, bloß fixierten Blatt.

    Ich kann mir übrigens auch nicht vorstellen, dass die Splitgrade-Einstellungen von damals jetzt noch stimmen. Alte Papiere mögen durchaus noch brauchbar sein, aber Empfindlichkeit und Gradation sind jedenfalls einer ständigen Veränderung unterworfen.

    Viel Erfolg, Karl

  • Der Grundunterschied ist schon mal Baryt oder PE. Letzteres ist viel anfälliger, v.a. feuchte Keller u/o Speicher lassen keine lange Haltbarkeit erwarten. Und dann kommt es auf den Hersteller an. Ilford und Agfa halten länger. Bei Baryt ist Orwo mein Favorit, selten das es nicht mehr funktioniert. Ab den 90er Jahren haben die Hersteller rumgepanscht, Silber reduziert, glaube ich, und das ist Shice. Man muß das Papier nicht wegschmeißen. Zum Lithen geht es immer noch...

    Bei color ist es einfacher: die Haltbarkeit beschränkt sich auf wenige Jahre. Abhilfe-einfrieren. Also Hände weg bei Angeboten.

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    (Schaff ein getreues Ebenbild bevor die Materie verblaßt!)

  • Bei Baryt ist Orwo mein Favorit, selten das es nicht mehr funktioniert. Ab den 90er Jahren haben die Hersteller rumgepanscht

    Na ja, früher war halt alles einfacher, Benzin war mit Blei, Batterien mit Quecksilber, Fotopapier mit Cadmium. Ich würde eher sagen, früher wurde herumgepanscht. Es war viel einfacher, schnell eine wirksame Lösung zu finden. Heute allseits bekannte Nebenwirkungen wurden erst Jahre (Jahrzehnte) später bekannt - oder man hat sie bewusst ignoriert.

    Ilford und Agfa halten länger.

    Ilford ja: Multigrade IV PE habe ich in selten gebrauchten Sonderformaten schon teilweise seit über 10 Jahren (ohne Kühlschrank) und es taugt immer noch.

    Agfa eher nicht: Das Original Agfa MCP hatte in dieser Hinsicht einen schlechten Ruf. Wenn man Pech hatte, zeigte das je nach Charge schon nach 2 Jahren Alterserscheinungen: weniger Empfindlichkeit und Kontrast, dafür mehr Schleier.

    Gruß, Manfred

  • Bei Agfa -PE- gebe ich die recht....

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  • Ich hab noch eine Schachtel Agfa Brovira Speed, die noch wie 2006 funktioniert. Auch die Ilfospeed-Festgradationen gehen noch recht gut, wie auch Ilford MG IV und Kodak Polymax II. MG III und Polymax (I) sind völlig verschleiert.

    Bei Baryt geht fast alles mindestens gut.

  • Kodak Polymax II. MG III und Polymax (I) sind völlig verschleiert.

    Polymax ist der Schleierkönig. Frisch war es sehr gut, aber dann....

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