• Liebe Alle!

    Meine ersten Versuche, digitalisierte Bilder mit GIMP unter Linux zu bearbeiten, trieben mich gleich in den Wahnsinn. Die weiteren nicht weniger. Die Steuerung mit der Maus ist noch viel unexakter als meine Arbeit in der Dunkelkammer und einen Regler am Bildschirm mit der Maus zu bedienen macht gar keinen Spaß. Zumindest in der Videobearbeitung am Computer gibt es doch extra Geräte mit Schiebereglern und Drehknöpfen und Schaltern und Tastern und so, wo man spürt, was man bewegt und eine grobe Ahnung haben kann, wie man es zurück bewegt. Dann entdeckte ich, dass GIMP eine Midi-Schnittstelle hat und wähnte mich am Ende meiner Sorgen (Controlling GIMP with MIDI devices).

    Fix ins Kinderzimmer rüber, das Mischpult mit all den Schiebereglern, Knöpfen, Schaltern und Drehreglern und natürlich dem Midi-Ausgang geschnappt und angeschlossen. Alles schien so einfach. Aber leider habe ich es nur hinbekommen, Menüs zu öffnen und mitnichten Grauwerte, Farben, Kontraste, Drehungen mit den Reglern einstellen zu können.

    Hat jemand das schon geschafft und mag sein Wissen mit mir teilen?

    Viele Grüße,

    Alexander

  • Für digitale Bildbearbeitung eignet sich eine Maus nur schlecht. Midi-Geräte sind dafür wohl noch weniger geeignet. Was du brauchst, ist ein gutes Grafiktablett als Eingabegerät, z.B. von Wacom.

    Aus dem Digitalalter bin ich raus.

  • Das halte ich eher für einen Gag, der für die praktische Bildbearbeitung nicht so viel bringt, auch wenn man es schafft, das spezifische MIDI-Gerät und alle Controller zu konfigurieren, dass alles funktioniert. Bildverarbeitung ist ja kein Synthesizer, wo dieser Typ Oberfläche genau das Richtige ist. Ich habe auch noch nie jemanden gesehen, der die normale Benutzerführung nicht verwendet. Schneller geht es aber natürlich, wenn man die wichtigsten Shortcuts kann, die ja bei GIMP zum Glück komplett anders sind als bei Photoshop, und halt ggf. ein dediziertes Grafiktablett dazu.

    Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)

  • Fürs Lightroom habe ich ein Loupedeck+ . So etwas ist klasse weil man dann die Funktionen schön aufgefächert mit einzelnen Knöppen bedienen kann. Man kann damit CaptureOne, Photoshop und Lightroom steuern. Ob man damit Gimp steuern kann glaube ich nicht, aber leider kenne ich mich mit Gimp nicht aus. Aber die anderen Programme können ja wohl auch alles was Gimp kann.

  • Entschuldigt liebe beide Erstantwortende, ich sehe das anders, denn sonst hätte ich die Frage nicht gestellt.

    Es wird Gründe geben, warum in vielen kreativen Bereichen wie Vidoeschnitt, Tontechnik und Anästhesie, trotz Benutzung von Computern, die Dreh- und Schieberegler noch immer verwendet werden. Midi ist ein Steuerprotokoll, nicht mehr und nicht weniger, genau so wie der Tablett- oder Maustreiber und das Protokoll erlaubt mir, so die Theorie, mit einem Regler eine Aktion zu steuern. Also zum Beispiel einen Regler für die Helligkeit und den Kontrast oder drei Regler für die Farbwerte RGB oder vier für CMYK ohne ein Menü aufrufen zu müssen, ohne eine Tablettstift in ein Feld bewegen zu müssen. Ich habe das Bedienpult, dass ich blind bedienen kann und werde nicht vom Geschehen am Bildschirm abgelenkt. Ergonomisches Arbeiten halt.

    @ Stefan: Loupedeck ist genau das, was mir vorschwebte. Leider ist es sehr Adobe-lastig und funktioniert nur mit MacOS und einem Betriebssystem, dass ich nicht kenne. Aber darüber kam ich ja auf die Information mit den Midi-Geräten und Gimp. Darktable soll auch eine Midi-Schnittstelle bekommen. Vielleicht muss ich einfach nur etwas geduldig sein und meine Nächte wieder in der Dunkelkammer verbringen.

  • Sehe ich auch so :)

    Ich nutze schon ewig Linux und Gimp und weiß auch was Midi ist und kann.

    Insofern kann ich Dein Anliegen sehr gut nachvollziehen.

    Selbst habe ich noch keine Erfahrungen mit Gimp und Midi zusammen.

    Das hier kennst Du?

    In Wirklichkeit passiert die ganze Zeit gar nichts - Jim Rakete 2007

    Bilder

  • Auf der musikalischen Seite arbeite ich schon lange mit Midi und diversen Controllern. Dafür, daß es das Protokoll schon so lange gibt, ist erstaunlich, wie viele Probleme es immer noch damit gibt. Gerade im Bereich Controller, der ja doch manchmal ein wenig über das ursprüngliche Konzept hinausgeht.

    Ehrlich gesagt würde es mich wundern, wenn die Gimp-Programmierer das aus dem Stand problemlos hinkriegen.

    Obwohl, die Idee als solche ist bestechend.

  • Bei Synthesizern macht es ja auch Sinn, Dreh- und Schieberegler zu verwenden, weil man hier sehr schnell und intuitiv Zugriff auf wenige Parameter braucht, die dann auch immer etwas genau Definiertes und funktional Beschränktes tun. In der Praxis gibt es oft Fälle, wo man genau an eine definierte Stelle greifen will und sofort ein Ergebnis braucht. Entweder bei Syntheseparametern beim Spielen, oder auch bei banalen Dingen wie Anpassen der Lautstärke, was nicht genau sein muss, aber eben sofort, weil jemand etwas falsch eingestellt hat und Gehörschaden bei jemand anderem oder gar einem selbst droht.

    Bildverarbeitung empfinde ich als anders, da sehe ich nicht so ganz, warum ich mich zum Beispiel mit einem Knopf für hell/dunkel abgeben soll, wenn man das mit einem Menu und den zugehörigen Diagrammen zwar etwas langsamer, aber genauer machen kann. Bei Bildverarbeitung gibt es ja auch viel mehr wichtige Parameter und insofern notwendige diskrete Bedienelemente als bei einem Synthesizer. Der JD-800, der die analoge Benutzeroberfläche neu erfunden hat, nachdem man lange dachte, dass Digitalisierung auch dazu führen muss, dass man Parameter auf Mini-Displays über fünf Menuebenen einstellen muss, war ja genau deshalb so ein Erfolg, und danach hat man dann ja plötzlich jede Menge digitale Synthesizer mit Drehknöpfen gesehen. Der JD-800, als Beispiel, scheint auf den ersten Blick sehr viele Bedienelemente zu haben, aber im Vergleich mit dem, was man bei Photoshop so täglich benutzt, wäre das vielleicht meines Erachtens recht wenig und würde wohl nicht reichen.

    Als klassisches Gegenbeispiel lässt sich mein Super JX-10, eine Generation vorher, ohne den Programmer überhaupt nicht sinnvoll nutzen. Videoschnitt passt als Vergleich meines Erachtens auch nicht so doll, weil man da einfach sehr viele Copy+Paste-Aktionen auf einer Timeline hat. Drehregler sind da für Hin- und Herscrubben toll, aber für Compositing und Bildbearbeitungsanteile sehe ich da eigentlich auch nur echte Vorteile bei einem Grafiktablett+Menusteuerung.

    Was man zum Beispiel bei komplexen Ebenenoperationen in der Bildverarbeitung mit einzelnen Drehreglern anfangen kann, erschliesst sich mir auch nicht. So langsam ist das ja auch nicht, wenn man die Shortcuts kennt, damit bin ich recht schnell.

    Ich finde es ein bisschen schwer, das zu erklären, wenn ich länger drüber nachdenke, denke aber, dass man sich damit das Leben eigentlich nur unnötig schwer macht. Und das ist keinesfalls als Kritik an Linux und GIMP aufzufassen. Ich war ja auch mal jung und hatte solche Kommilitonen.

    Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)

  • ... würde es mich wundern, wenn die Gimp-Programmierer das aus dem Stand problemlos hinkriegen

    Die meisten innovativen Konzepte werden im Open Source Bereich entwickelt.

    Ich bin da sehr zuversichtlich :)

    wenn ich länger drüber nachdenke, denke aber, dass man sich damit das Leben eigentlich nur unnötig schwer macht

    Häufig ist das nur eine Denkbarriere (die ich auch manchmal habe ;) ) mangels praktischer Erfahrung.

    Ich setze jedenfalls seit Jahren auf spezialisierte Eingabegeräte dort wo es einen Sinn ergibt.

    Und das ist umso öfter der Fall je mehr ich mich damit beschäftige.

    Wie wichtig es sein kann, sich aktiv mit alternativem Bediengerät zu beschäftigen, zeigte mir mein Umstieg von der Maus auf einen

    Trackball schon in den Neunzigern. Das Lernen war erstmal mühselig aber das Ausbleiben von sämtlichen Schmerzerscheinungen

    in der rechten Oberkörperhilfe war ein wirklicher Gewinn.

    In Wirklichkeit passiert die ganze Zeit gar nichts - Jim Rakete 2007

    Bilder

  • Die meisten innovativen Konzepte werden im Open Source Bereich entwickelt.

    Ich bin da sehr zuversichtlich :)

    Ich will da keineswegs Innovationskraft und technisches Können in Zweifel ziehen. Es geht mir mehr um die nicht standartisierten Implementierungen der Hardware- wie auch Software-Hersteller, die bis heute selbst die zweckgewidmete Verwendung manchmal zu einem Glücksspiel machen. Das ist erfahrungsgemäß oft ein Punkt, wo sich Open Source Entwickler auf den Standpunkt der "reinen Lehre" zurückziehen. Was natürlich seine Berechtigung hat, für den End-Anwender aber keine Lösung ist.

    Aber ich lasse mich gerne in diesem Punkt überraschen.

  • Ich würde mal hier ansetzen. Oft wissen Softwareentwickler ja gar nicht, was der Anwender wie will. Da könnte man besprechen, welcher Controller am ehesten zu nutzen ist usw. Im Gegenzug macht man hier "Werbung" für und zeigt Anwendungsbeispiele, schreibt ne doc, übersetzt o.ä. und allen ist geholfen.

  • Ich will da keineswegs Innovationskraft und technisches Können in Zweifel ziehen. Es geht mir mehr um die nicht standartisierten Implementierungen der Hardware- wie auch Software-Hersteller, die bis heute selbst die zweckgewidmete Verwendung manchmal zu einem Glücksspiel machen. Das ist erfahrungsgemäß oft ein Punkt, wo sich Open Source Entwickler auf den Standpunkt der "reinen Lehre" zurückziehen. Was natürlich seine Berechtigung hat, für den End-Anwender aber keine Lösung ist.

    Aber ich lasse mich gerne in diesem Punkt überraschen.

    Anders formuliert: Natürlich kann es nicht so schwer sein, MIDI-Noten und Controller Changes zu nehmen und auf ein anderes Benutzerinterface zu mappen, wenn das grundsätzlich geht. GIMP als typische Bastlersoftware lässt das bestimmt von vornherein zu, das geht ja auch bei vergleichbaren Produkten. Es wird aber wohl nicht gut dokumentiert sein und deshalb bestimmt challenging, aber die richtigen Freaks kriegen das bestimmt ohne zu klagen hin. MIDI ist als Protokoll auch sehr einfach gehalten.

    Die Frage ist wirklich nur der Nutzwert, und was man davon hat, ein MIDI-Gerät, das man hat und das jedesmal etwas anders aussieht als die anderen, so zu konfigurieren, dass man damit am Ende nur ein paar wenige, elementare Operationen in der Bildverarbeitung machen kann. An vielen Geräten, diese Universal-Controller ausgenommen, sind eigentlich auch nur wenige abfragbare Controller dran (ein "Controller" in der MIDI-Welt ist ein dediziertes Steuerelement, das eine ID hat, einen Kanal und einen Wert, der den Zustand beschreibt, also 0-127, andere Steuerelemente werden direkt vom System verwendet, lassen sich aber nicht von extern abfragen), und dann halt noch eine Tastatur, die man auslesen könnte. Das ist garnicht so viel. Und ich glaube, dass sich an diesen Grundprinzipien in den letzten Jahren auch nix geändert hat

    Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)