Vortrag anlässlich der Sommer Exkursion der Edinburger Photographischen Gesellschaft Juli 1864 über das Tabackrauchen :-)

  • Hallo

    Tja, das waren noch Zeiten, als man sich wirklich um wichtige Dinge kümmerte!

    Nicht zu ernst nehmen und mit einem Augenzwinkern zum Lesen!

    The British Journal of Photography, July 15, 1864, pag. 246 ff.

    Zitat

    Herr Taylor las dann folgenden Aufsatz vor:

    Über Tabackrauchen und Photographie. Da manche Leute sich vorstellen, dass Tabacksrauch einen nachtheiligen Einfluss auf lichtempfindliche Oberflächen ausübe, so lassen Sie uns einige Minuten auf diesen Gegenstand eingehen und die Frage untersuchen ob es für einen festen Raucher möglich ist, ein guter Photograph zu sein? Wen gibt es unter uns Trockenplatten - Photographen, der nicht wiederholt von seinem Freund und Bruder Dilettant gebeten worden wäre, ihn zu besuchen und einen Abend bei ihm zu verleben? „Ich habe einige exponierte Platten gewonnen, die wir entwickeln können, und einen ausgezeichneten Taback und Glenlivet . "

    Taback und Trockenplatten - Entwicklung scheinen miteinander Hand in Hand zu gehen. Ich sehe im Geiste unsern Freund Nicol sich auf diese photographische Operation vorbereiten. Wenn der gelbe Schirm gehörig über der Lampe angebracht ist, sieht man eine Wolke über sein gewöhnlich ruhiges Gesicht hinziehen; und auf die wichtige Frage: „Haben Sie vergessen etwas Pyrogallussäure zu bringen? “ werden wir belehrt, dass es eine viel ernstere Angelegenheit gebe: «Er kann seine Pfeife nicht finden! “ Nachdem dieser wichtigen Sache abgeholfen ist, werden Wolken fortgeblasen, der Plattenkasten und die Chemicalien herbeigebracht, und die auf der Oberfläche der Platten lauernden verborgenen Bilder schnell zum Vorschein gerufen. Man fragt bisweilen, ob Tabacksrauch auf eine sehr empfindliche Oberfläche, wie die einer collodionirten Platte ist, keinen zerstörenden Einfluss ausübt. Jeder, der am Ende eines schönen Sommertages im Innern von Freund Galloway's Entwicklungszimmer gewesen ist, wird keine Schwierigkeit finden, die Frage verneinend zu beantworten. Galloway ist ein erfahrener Arbeiter und hat, wie die Mappen seiner Freunde bezeugen können, im Trocken plattenverfahren höchst günstige Resultate erzielt. Ich kann nicht sagen, ob er jemals versucht hat, eine Platte ohne den Beistand seiner Pfeife zu entwickeln, aber ich weiss, dass manche seiner schönsten Bilder in Gegenwart so dichter Rauchwolken für's Auge in's Dasein getreten sind, dass das directe Licht der Sonne kaum in's Zimmer eindringen konnte. Als ich ihn einmal fragte, ob er von der Gegenwart so ungeheurer Massen von Tabacksrauch keine üblen Wirkungen zu erwarten habe, antwortete er: „Nun ja! der Rauch kann so dicht sein, dass ich sogar die Platte nicht mehr sehe, und das wäre doch eine wichtige Sache; sonst aber kenne ich keinen Uebelstand . “ Um diese Frage so weit als möglich zu prüfen, brachte ich neuerlich dichte Dämpfe von Tabacksrauch in einen Kasten, in welchem zwei Dr. Hill Norris'sche Platten lagen die eine war exponiert, die andere nicht. Diese wurden mit zwei anderen Platten verglichen, die ein solches Dampfbad nicht durchgemacht hatten. Es war nicht möglich, einen Unterschied zwischen ihnen zu finden. Der Schluss lautet also, dass wenigstens mässiger Tabacksrauch keine üblen Wirkungen auf empfindliche Glasplatten ausübt. Das Experiment wurde verändert, indem ich mehrere grosse, vorher mit Nicotinöl gesättigte Flachsbüschel mässig nahe an eine empfindliche Platte legte, die eine halbe Stunde zuvor für ein Transparentbild exponirt worden war. Das Resultat fiel gleichfalls für die Raucher erfreulich aus - es war keine Verschlechterung wahrzunehmen. Die Sache ist noch lange nicht abgemacht, wenn nicht die folgende Frage erörtert wird: Wenn man sicht , dass Tabacksrauch keine schätzbar üble Wirkung ausübt, kann man sagen , dass er in irgend einem Sinne eine gute Wirkung äussere ? Bei der Beant wortung lässt sich fragen: Worin liegt das grosse Geheimniss bei der Entwicklung der Trockenplatten? Liegt es nicht darin, dass man alle ungebührende Eile vermeidet und buchstäblich einen Ueberfluss an Zeit auf die Operation verwendet? Es ist von höchster Wichtigkeit, dass man die Entwicklung nicht erzwingt, indem man der schwächeren Lösung, die etwas mehr Zeit erfordert, reichliche Dosen salpetersaurer Silberlösung substituirt. Die erstere Lösung gibt ein Bild voll sanfter Details anstatt eines Machwerks voller Härte, mit stark markirten schneeweissen Stellen durch alle Bäume und Gräser bin der gewöhnlichen Wirkung einer zu schnellen Entwicklung. Eine nervenschwache, reizbare, ungeduldige Individualität begeht leicht diesen Fehler ; man lasse aber einen solchen Arbeiter , ehe er seine Pyrogallussäurelösung anzuwenden beginnt, seine Meerschaum- oder Thonpfeife in den Mund nehmen, und die angenehmen , lieblichen , beruhigenden Einwirkungen des edlen Krantes der dadurch erzeugte träumerische Zustand sanfter Ruhe zerstören alle Neigungen zur Ungeduld und machen ihn vollkommen gleichgültig , ob seine Platte zwei oder zwanzig Minuten zur Entwicklung braucht. Er hat für den Augenblick eine andere Beschäftigung bekommen, vermöge welcher er im Stande ist mit aller nöthigen Geduld zu warten. Da diese Bemerkung mehr andeutend als erschöpfend sein soll, so verlasse ich jetzt die Nicotiana tabacum, die beiläufig gesagt, zu einer verdächtigen Familie zur Klasse der Solanaceen gehört. - Die in dem Aufsatz ausgesprochenen Ansichten schienen bei allen Anwesenden Gefallen zu finden, und die meisten von ihnen bliesen denselben ihren Beifall zu. Die Nacht war vorgerückt und die Gesellschaft fuhr wieder nach Hause. Sie hatte einen so angenehmen Tag verlebt, dass sie einmüthig beschloss, sobald es sich passte, eine zweite Excursion zu machen.

    Gefunden bei:

    Photographisches Archiv.

    Band V. Nr . 68 , 16. October 1884.

    Gruss Reinhard

  • Hallo Reinhard,

    vielen Dank für den sehr gewichtigen Artikel.

    Welche praktische Erkenntnis bekomme ich daraus ?

    Habe ich etwa zu Zeiten als ich noch digital tätig war gänzlich "für die Katz" das Rauchen aufgehört ?

    .....oder wie verträgt sich der Artikel mit dem Churchil Zitat seinen Körperbau betreffend : " Every hour a Whisky , every 2hours a Cigar and No sports "

    Fragen über Fragen....

    Wer kann Belichten ?

    Roland

  • Hallo Roland

    Dieses fotografische Archiv ist eine Fundgrube.

    Wenn man bedenkt, dass es zu dieser Zeit durchaus normal war, mit Zyankali zu fixieren, dann war das Rauchen in der Duka durchaus kein Problem!

    Generell wurde Cyankalium als das bessere Fixiermittel angesehen, weil die Rückstände, weil die Bilder klarer kamen und es sich besser auswaschen liess, als das Natron.

    Gruss Reinhard

  • Warum trete ich vor die Tür, wenn ich während der Arbeit am Labortisch etwas rauchen möchte, wo doch seit 1864, gemäß diesem Bericht, erwiesen ist, dass Rauch und Nikotin keinen Übelstand im Fotolabor verursacht.

    Viele Dank für den kurzweiligen und gar interssanten Bericht

    Gruss Thomas

    Mir ist der Fixierer aus gegangen.

  • Der Artikel im Original: https://archive.org/details/britis…ge/247/mode/2up


    Warum trete ich vor die Tür, wenn ich während der Arbeit am Labortisch etwas rauchen möchte, wo doch seit 1864, gemäß diesem Bericht, erwiesen ist, dass Rauch und Nikotin keinen Übelstand im Fotolabor verursacht.

    In rund 100Jahre jüngerer Litheratur wird immer mal darauf hingewiesen, dass der Übelstand von flauen Abzüge auch von dicken Tabak-Rauchwolken zwischen Vergrößerer-Objektiv und Fotopapier kommen kann.