Standarte vorn oder hinten kippen

  • Ich mache die ersten richtigen Aufnahmen mit der 4x5. Plötzlich taucht folgende Frage auf: macht es einen Unterschied, ob man vorn oder hinten kippt?

    In diesem Fall wollte ich ein Haus aufnehmen mit viel Himmel drüber, also Kamera hochgekippt. Es wurden die Fensterrahmen verzerrt. Also hab ich das durch Kippen der hinteren Standarte etwas ausgeglichen. Hinterher dachte ich, ich hätte doch auch vorn kippen können, oder?

    Danke für eure Tipps

    Rolf

  • Hallo Rolf,

    in diesem Falle, also bei gekippter Kamera, würde ich die vordere und die hintere Standarte kippen, sodass beide senkrecht und zueinander parallel stehen. Wenn Du nur eine der beiden Standarten kippst, verlagerst Du nämlich die Schärfeebene.

  • Was Hugo beschreibt und in dem Fall angebracht ist, ist ein Shift - Verschieben des Objektivs - hier nach oben.

    Ich mache noch nicht so lange GF, habe aber gelernt, die Kamera zuerst mal ins Wasser zu bringen. Also Kamerakörper mit dem Stativ(kopf) ausrichten, dann Vorder- und Rückstandarte auf dem Kamerakörper. Erst von dieser Grundeinstellung ausgehend das Bild heraus arbeiten.

    A camera a day keeps the doctor away ... 🤣

  • Ich mache die ersten richtigen Aufnahmen mit der 4x5. Plötzlich taucht folgende Frage auf: macht es einen Unterschied, ob man vorn oder hinten kippt?

    In diesem Fall wollte ich ein Haus aufnehmen mit viel Himmel drüber, also Kamera hochgekippt. Es wurden die Fensterrahmen verzerrt. Also hab ich das durch Kippen der hinteren Standarte etwas ausgeglichen. Hinterher dachte ich, ich hätte doch auch vorn kippen können, oder?

    Danke für eure Tipps

    Rolf

    Hallo Rolf

    Ja, das macht es:

    In der Linhof Broschüre "Hohe Schule der Kameraverstellung" wird explizit darauf hingewiesen, dass die Hintere Standarte den Ausschnitt verändert.

    Verstellung.jpg

    Allerdings: Bei Aufnahmen im Unendlich Bereich, merke ich fast keinen Unterschied.

    Allerdings zu deinem Fall:

    Was unverzerrt bleiben muss, muss Parallel aufgenommen werden und die Standarten müssen Parallel zueinander sein.

    Ich persönlich stelle lieber Parallel hoch, als dass ich kippe. Solange natürlich das wegen dem Bildkreis geht.


    Gruss Reinhard

  • Ich mache die ersten richtigen Aufnahmen mit der 4x5. Plötzlich taucht folgende Frage auf: macht es einen Unterschied, ob man vorn oder hinten kippt?

    In diesem Fall wollte ich ein Haus aufnehmen mit viel Himmel drüber, also Kamera hochgekippt. Es wurden die Fensterrahmen verzerrt. Also hab ich das durch Kippen der hinteren Standarte etwas ausgeglichen. Hinterher dachte ich, ich hätte doch auch vorn kippen können, oder?

    Danke für eure Tipps

    Rolf

    damit du bei Architekturfotografie keine stürzenden ( längs und hoch ) Linien hast, muss die Hinterstandarte parallel zur Hausfront sein.

    Alles andere führt zu Verzerrungen.

    Ist u.a. in dem Buch, das Reinhard Walther oben zitiert hat und dem Link von Erhard Slowik beschrieben.

  • Hallo Rolf,

    was Hugo schreibt, stimmt. wenn du nur die Standarte bei gekippter Kamera neu ausrichtest, verändert sich die Schärfeebene.

    Wenn Du aber die Schärfeebene beibehalten möchtest, müssen beide Standarten parallel ausgerichtet sein. Wenn du die Standarten dann nach oben oder unten verschiebst (Shift), ändert sich der Bildausschnitt, aber die Schärfeebene nicht. Beim Verschwenken der Frontstandarte (Tilt) ändert sich die Schärfeebene.

    ich habe das mal versucht,, kurz zu skizzieren:

    IMG_20230723_111328.jpg

    Wenn man etwas tiefer einsteigen möchte, kannn ich zum Thema Fotografieren mit Großformat die "Fotoschule Großformat" von Lars Hennings empfehlen, ist mit 155 Seiten auch nicht allzu umfangreich. Gibt es im Netz als kostenlosen Download, kann ich aber gern auch als PDF schicken.

    grüsse uwe

    Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten.

    Karl Kraus

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  • Mit vielen leicht verständlichen Bilder, und vor allem mit der Darstellung ALLER möglichen Veränderungen, an Objektiv- und Filmebene, mit Anwendungsfällen - und auch nicht so teuer:

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    Da alles mit der gleichen Methodik dargestellt wird, wird im Vergleich besser verständlich, wann man was mit den Standarten macht.

    Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)

  • Ah ok, das mit der Schärfeebene hab ich bemerkt. Also besser beide Standarten, das leuchtet mir ein.

    Sobald der Regen durch ist, werde ich das mal testen. Vielen Dank bis hier hin!

    Grüße

    Rolf

  • Bei den meisten Kameras kann man die Standarten auch in der Höhe verschieben. D.h bei Architektur stellt man normalerweise die Kamera waagerecht auf und ändert den Bildausschnitt durch hoch und runterschieben der der Vorder- und / oder Rückstandarte. Bei Weitwinkeln ist der Bildkreis meistens eh nicht so groß. D.h. oft kann man nicht mal eine Standarte maximal in der Höhe verschieben, ohne abgeschattete Ecken zu bekommen.

  • Vorschlag: Erstmal shiften üben, und dann anhand des fertigen Bildes rausfinden, was man noch mit Verschwenkungen hätte erreichen können. Shiften ist für diesen Fall erstmal am wichtigsten. Bei Verschwenkungen sollte man systematisch vorgehen, das ist nicht so leicht, und das ist für diese Anwendung auch nicht unbedingt notwendig. Ganzes Haus mit Weitwinkel oder Normal auf eine entsprechende Entfernung (das ist immer relativ weit weg) aufgenommen, so dass es vollständig auf dem Bild ist, hat auch mit Grossformat genug Tiefenschärfe, dass man die Schärfeebene nicht noch zusätzlich verlegen muss.

    Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)

  • Was für eine Kamera? Was war das Ziel?

    Wenn du am Rückteil/Bildstandarte was änderst, ändert sich auch die Perspektive. Beim Verstellen der Objektivstandarte läuft man Gefahr aus dem Bildkreis zu geraten - gilt für Verschiebungen und Verschwenkungen.

    Eine perspektivisch „korrekte“ Darstellung (winkeltreu und flächentreu) bekommt man wie gesagt durch ein parallele Lage der Bildstandarte zum Objekt, in der Architektur also die Fassadenfläche. Mit der Objektivstandarte steuert man die Schärfeebene.

    Alternative Methode zu der oben von David genannten ist es, erst die Kamera nach oben zu schwenken um den Ausschnitt zu bestimmen und dann die Standarte(n) ins Lot zu bringen. Das Ergebnis ist identisch.

  • Abhängig von der Kamera kann das sein, dass man zwar Front und Rückstandarte kippen, aber nicht shiften kann. Dann kann man das Shiften simulieren, indem man den Laufboden vorn nach oben kippt und anschließend die Standarten wieder senkrecht stellt.

    Ulli

  • Was für eine Kamera? Was war das Ziel?

    Wenn du am Rückteil/Bildstandarte was änderst, ändert sich auch die Perspektive. Beim Verstellen der Objektivstandarte läuft man Gefahr aus dem Bildkreis zu geraten - gilt für Verschiebungen und Verschwenkungen.

    Hallo

    Darum sind die Mattscheiben an den Ecken gekappt. Das ist nicht nur dem Luft Austausch geschuldet, sondern:

    Zitat von Gebrauchsanleitung Sinar

    Um Bildvignettierungen zu vermeiden und die Begrenzung hell zu sehen, visiert man durch die auf der Mattscheibe zu diesem Zweck ausgesparten Bildecken bei Arbeitsblende (Auge ganz nah an der Mattscheibe)

    Wenn man die Eintrittsöffnung ganz sieht, dann ist der Bildkreis in Ordnung.

    Funktioniert tatsächlich.

    Gruss Reinhard