Blitz für M-Synchronisation

  • Hallo Forum,

    ich bin seit wenigen Tagen stolzer Besitzer einer Kodak Retina II Typ 011. Die ist ziemlich selten und wurde wohl unmittelbar nach Ende des 2. WK inDeutschland gebaut und in den USA mit einem Objektiv bestückt. Versehen ist sie mit einem Blitzanschluss ohne Bezeichung. Da es damals zwar schon Elektronenblitze gabe, allerdings zu horrenden Preisen, gehe ich davon aus, dass es ein Anschluss mit M-Synchronisation hat, der also den Blitz zündet, bevor der Verschluß öffnet, weil ja die Blitzbirnchen etwas Zeit brauchen, bis sie ihre volle Leuchtkraft entfalten. Wenn man da einen normalen Elektronenblitz anschließt, dann ist der zu schnell und hat sein Leuchten bei Öffnen des Kameraverschlusses bereits beendet. Jetzt frage ich mich, ob es da irgeneine Lösung gibt, außer den Synchronanschluss umzubauen (scheidet aus) oder tatsächlich einen alten Kolbenblitz zu benutzen (schwierig wegen der geringen Verfügbarkeit von Blitzbirnchen). Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass es mal von Olympus einen E-Blitz mit längerer Abbrenndauer gab, um damit die langsame Synchronzeit der Schlitzverschlüsse zu umgehen.

    Aber ich kann dazu nichts finden. Was natürlich technisch möglich wäre, ist eine Videoleuchte o.ä. zu nutzen. Sähe aber mit einer fast 80 Jahre alten Kamera seltsam aus.

    Bin für jeden Hinweis dankbar.

    Gruß

    Udo

  • In der Bedienungsanleitung für die Leica IIIf (Red Scale) findet man unter "Zentralverschluß-Blitzlampen" Angaben sowohl für unverzögerte als auch für verzögerte(!) Elektronenblitze. Es gab wohl gerade in der Anfangszeit der elektronischen Blitzerei Geräte, welche dein heutiges Problem bereits adressiert hatten.

    Ein gewiefter Elektroniker kann sicherlich eine Schaltung aus dem Ärmel zaubern, die - einschleift zwischen M-Buchse und Blitz - die gewünschte Auslösungsverzögerung durchführt.

    Allerdings braucht es einen sehr spannungsfesten Ausgang in Richtung Blitz. Selbst das Vivitar283, ein legendäres Reportergerät, dass bis zur Jahrtausendwende zu kaufen gab, legt noch einige hundert Volt Zündspannung auf den Synchronkontakt.

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    "Digital is made to forget, analogue is made to remember!"
    [Robert Polidori, kanadischer Fotograf, zitiert von Gerhard Steidl in der Süddeutschen Zeitung]

  • Hallo Andreas,

    Vielen Dank für deine Hinweise. Ein Umbau kommt aber bei diesem seltenen Modell nicht infrage. Zudem ich noch eine etwas jüngere Retina IIa habe, die schon die X-Buchse hat. Ich werde aber weiter nach einem passenden E-Blitz recherchieren.

    Gruß

    Udo

  • Hallo Udo,

    welchen Verschluss hat denn die Kamera?
    Ist es ein Compur-Rapid ohne Selbstauslöser?

    Wenn die Blitzsynchronisation nicht extra auf "M" eingestellt werden kann, gehe ich davon aus, dass ein "X"-Kontakt vorliegt.

    Die X-Synchronisation und Blitzbirnchen sind kein Widerspruch.
    Philips schreibt dazu in der (1950-Jahre ?) Broschüre "Mit Kunstlicht fotografieren - kinderleicht":

    Philips Photoflux-Blitzlichtlampen, für Zentralverschlüsse:

    Klasse M, Type PF3N, PF14N, PF25N, PF38E, PF56E

    Anwendung:
    a) bei vollsynchronisierten Kameras (M-Kontakt) für alle kurzen Belichtungszeiten einschließlich 1/ 50 sec. geeignet.
    b) bei teilsynchronisierten Kameras (X-Kontakt) ist 1/ 25 sec. einzustellen. Die effektive Belichtungszeit entspricht dann der Photoflux-Leuchtzeit, also z.B. bei der PF3N 1/ 125 sec.

    Hast Du es schon ausprobiert?
    Elektronenblitz anschließen, Kamerarückwand auf, hinten durch die Kamera schauen, gegen eine weiße Wand blitzen. Bei X-Synchronisation ist der Elektronenblitz durch das Objektiv wahrnehmbar.

    Beste Grüße von
    Peter.

  • Ein Umbau kommt aber bei diesem seltenen Modell nicht infrage

    Würde ich auch nicht versuchen. Die Elektronik müsste in ein sehr kleines Gehäuse, schon wegen der Batterie und so.

    "Digital is made to forget, analogue is made to remember!"
    [Robert Polidori, kanadischer Fotograf, zitiert von Gerhard Steidl in der Süddeutschen Zeitung]

  • Hallo Peter,

    Danke für deine Überlegungen und Hinweise. Die Kamera hat den Compur-Rapid Verschluss ohne Selbstauslöser. Das Baujahr der Kamera ist wahrscheinlich 1946 /47. Da gab es zwar schon Elektronen-Blitze, aber eben nicht für den Consumer-Markt sondern eher für den wissenschaftlichen Bereich. Deshalb halte ich es für sehr unwahrscheinlich. dass der Hersteller der Retina für diese extrem teuren Blitze eine Synchronbuchse eingebaut hat. Zudem ja dann der Vorteil der bei Zentralverschlüssen möglichen sehr kurzen Belichtungszeiten bis 1/500 Sek. auch mit den von dir benannten Blitzbirnchen verloren gegangen wäre. Nichtsdestotrotz werde ich deinem Hinweis mit der offenen Rückwand und dem Blitzen gegen eine weiße Wand nachgehen.

    Aber beim Rumrecherchieren bin ich noch auf einen anderen Ansatz hier aus dem Forum gestoßen. Und zwar könnte man statt an der Kamera auch beim Blitz ansetzen. Da ging es zwar um das HSS Blitzen aber Dirk Münchmeyer hatte die Idee, einfach an einem Blitzgerät die Vorlaufzeit bis zur Blitzzündung mit einem kleinen Bauteil zu verlängern. Vielleicht komme ich damit weiter, wenn der von dir angeregte Probeblitz ins Dunkle führt.

    Danke nochmal und

    Gruß

    Udo

  • Hallo Udo,

    ja, am besten testen!

    Viele Kameras/Verschlüsse der "Blitzbirnchenzeit" haben nur X-Synchronisation: diese ist technisch einfacher zu realisieren und damit billiger. Der Nachteil, nur bei relativ langen Zeiten blitzen zu können, wurde wohl in Kauf genommen.

    In dieser Anleitung für eine Retina I mit Compur Rapid ohne Selbstauslöser wird das Blitzen ab Seite 9 beschrieben:

    https://www.pacificrimcamera.com/rl/02417/02417.pdf

    Aus dem Text:

    "Bei Verwendung der in Deutschland üblichen Vacu-Blitzlampen ist die Anwendung einer Belichtungszeit von 1/10 Sek., welche die ganze Brenndauer der Blitzlichtlampen erfaßt, zu empfehlen. (Größe I u. II)

    Blitzlichtlampen ausländischer Herkunft ermöglichen auch Verschlußgeschwindigkeiten bis zu 1/1oo Sek, während die elektrischen Hochleistungsblitzgeräte, sofern in dieselben keine Verzögerung eingebaut ist, auch kürzeste Verschlußgeschwindigkeiten zulassen."


    würde ich beim Compur Rapid auf "X" tippen.

    Beste Grüße von
    Peter.

  • Danke Jochen,

    und gleich mal Entschuldigung dafür, dass ich deinen Namen gleich doppelt verballhornt habe.

    Meine Idee ist (war) es, einen E-Blitz an einem mutmaßlichen M-Synchronanschluss einzusetzen. Dabei bin ich auf einen jahrealten Post von dir gestoßen, der sich eigentlich mit dem Thema High-Speed Blitzen mit Stroboskop-Blitzen beschäftigt. Deine Idee war, die Erstauslösung eines handelsüblichen E-Blizes mit einem - laienhaft ausgedrückt - elektronischen "Uhrmodul" zu verzögern, so dass der erst dann zündet, wenn der Kameraverschluss bereits geöffnet ist. Sowas wäre nach meiner bescheidenen Kenntnis der Materie natürlich eine exzellente Lösung für meine Fragestellung. Soweit ich bis jetzt weiß, löst der M-Synchronkontakt den Blitz etwa 1/30 vor Verschlussöffnung aus, um den Magnesium-Fädchen der Blitzbirnchen die Gelegenheit zu geben, hochzubrennen und eben dann bei Verschlussöffnung die volle Lichtleistung abzugeben, während der E-Blitz (über den X-Synchro Anschluss) eben sofort feuert und bei Verschlussöffnung bereits wieder verloschen ist und in der Kamera ein unterbelichtetes Bild hinterlässt. Insofern geht es um einen Eingriff in den E-Blitz und nicht um die Möglichkeiten, die ein Kolbenblitz bieten könnte.

    Nach ziemlich umfangreichen Recherchen nach einem E-Blitz mit einstellbarer Auslöseverzögerung erkläre ich meine Bemühungen hiermit für beendet und bedanke mich bei allen Mitwirkenden.

    Viele Grüße

    Udo

  • Hallo Udo,

    ich habe noch eine grafische Darstellung gefunden, die ganz aufschlußreich ist. Das ist eine schematische Darstellung der Lichtstromkurve einer Blitzlampe und ein Verschlußdiagramm des Zentralverschlusses. Die Verzögerung oder Voreilung der verschiedenen Synchronisationsarten hat man mechanisch im Auslösermechanismus bewirkt, der Kolben-Blitz mußte etwas eher gezündet werden, damit er seine höchste Intensität erreicht hatte, wenn sich der Verschluß öffnete. Da er recht lange brannte, hatte die Verschlußzeit - im Ggs. zum E-Blitz - einen Einfluß auf die Belichtung. Bei den Leicas III f mit den roten oder schwarzen Kontaktzahlen kann man Einfluß auf den Kontaktzeitpunkt nehmen. Theoretisch müßte es möglich sein, bei Deiner Kamera diese Voreilung des Kontaktes mechanisch zu verändern, z.B. durch Abfräsen irgendeines Teils. Eine Verzögerungsschaltung ins Blitzkabel eingeschaltet wäre da sicher die elegantere Lösung ohne die Kamera zu entwerten.

    IMG_1837.jpgIMG_1838.jpg

    Viele Grüße, Jochen

  • Hallo Jochen,

    hallo Thomas,

    Danke. An beide Möglichkeiten habe ich noch nicht gedacht. Das nenne ich mal echte Aphog-Forumsintelligenz. Ich werde als erstes mal nach dem Drahtauslöser mit Synchronbuchse suchen. Wenn ich es recht verstehe, kann man Auslösezeitpunkt für den Blitz über das Gewinde regulieren.

    Gruß

    Udo

  • Hallo Udo,

    ja, so sehe ich das auch, das ist quasi der mechanische Mechanismus, der hinter den "Kontaktzahlen" steckt. Oder dient vielleicht die Verstellung nur der Längenanpassung des Auslöser-Stößels? Das ist auf jeden Fall eine einfache, aber geniale Lösung, um einer Kamera ohne Synchronisation eine Blitzmöglichkeit zu verschaffen.

    Jochen

  • Ja, das hatte ich mit mit einer Arduino-Platine mal überlegt und entsprechende Versuche angestellt. Das von mir erdachte Ziel kam ich zwar bis zu einem gewissen grad näher, aber leider spielte der Metz-Blitz ab einer bestimmten Schwelle nicht mehr mit. Ab diesem Zeitpunkt wäre eine Eingriff in die Blitzelektronik nötig gewesen, was die Sache aber nicht mehr wie gewünscht blitzgeräteunabhängig, also universell gemacht hätte.

    Da es hier wohl nur um den 1. Teil der Verzögerung geht und nicht wie von mir eigentlich erhoffft auf den HSS-Blitz während der kurzen Verschlußoffenzeit, ist das Problem des Posters mit der Arduino-Zeitverzögerung eingentlich schon gelöst.