Der Einstieg ins 4x5 Format

  • Hallo zusammen,

    ich liebäugle nun schon seit längerem damit ins 4x5 Format einzusteigen.
    Mich interessiert der (gewollt umständlichere) Prozess im speziellen und die kreativen Hürden und Möglichkeiten, beim adaptieren auf meine persönliche Art der Portrait Fotografie.
    Das Format ist mir nicht gänzlich fremd, was wohl von Vorteil ist, da ich während des Studiums bereits 1-2 mal damit rumprobieren konnte. Wie so oft verliert man Dinge dann erstmal aus den Augen, bis sie einen wieder einholen.

    Nun stellt sich mir zuerst die Frage: Abgesehen von guten Nerven und etwas Futter in der Brieftasche - gibt es vorab noch Dinge zu beachten, bevor ich los stapfe und mir eine Kamera kaufe?
    Ausschau gehalten habe ich natürlich bereits. Aufgefallen ist mir eine Sinar-F mit einem Rodenstock Sironar-N 240mm f5.6 und einem Rodenstock Sironar-N 150mm f5.6.
    Abgesehen vom Zustand der Optiken, weiß ich, dass dem Zustand des Balgens noch Aufmerksamkeit gegeben werden sollte.

    Um das Angebot zu zitieren, was ansonsten noch enthalten ist:
    "Weiteres Zubehör:
    - großer Koffer
    - großes sehr stabiles Stativ
    - Verlängerung
    - zusätzliche Halterung
    - Weitwinkelbalgen
    - 2x Original Sinar Planfilmkassetten"

    Ansonsten sah mir auch die Air Force 4x5 recht interessant aus: https://www.stenopeika.com/product/air-force-4x5/
    Alternative Vorschläge, sowie Tipps sind gern gesehen. Dafür wäre ich sehr dankbar.

    Besten Gruß
    Max

  • Moin Max,

    deine 2 Kameravorschläge sind 2 verschiedene Systeme.

    Die Sinar ist eine opt. Bank, und die Air Force wirkt wie eine Fieldkamera .

    Die Sinar ist ausbaufähig , bei der anderen weiß ich es nicht.

    Aber als Tipp, schau doch mal ins Großformatforum und stelle deine Frage dort.

    Das geballte Schwarmwissen wird dir dort eher helfen.

    Grüße !
    Peter
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  • Zuerst stellt sich natürlich die Frage was du mit der Kamera machen willst.

    Theoretisch geht das meiste mit allen, aber ob man eine Kamera auf optischer Bank beim Wandern mit schleppen möchte, oder doch eine Field-Kamera die bessere Wahl ist muss jeder für sich entscheiden.

    Dazu gibt es sehr gute englischsprachige Videos von Matt Marrash auf Youtube, der hilft dir auch bei der Auswahl der Objektive. Bei Pixel & Grain gibt es auch das ein oder andere Video auf Deutsch, aber die sind teilw. nicht so umfangreich.

  • Vielleicht findest Du die eine oder Anregung auch hier:

    the120ist
    The channel for any analog film photographers, or anyone who wants to get into analog film photography! As you may have guessed by the name, this channel is…
    www.youtube.com

    Der fotografiert hauptsächlich Mittelformat, aber auch Großformat und hat da das eine oder andere Video.

    Viele Grüße

    Thomas

  • Die Kamera ist das eine , teure Fime und ein entsprechendes Labor das andere.

    Wenn Du die Verstellmöglichkeiten nicht brauchst, empfehle ich eine Mittelformatkamera .

    Es wird eine / einen GF Fotografin in Deiner Nähe geben ! In welchem Bundesland wohnst Du?

    Grüße aus Schleswig Holstein

    Thomas

  • GF-Fotografie hat was, ich kann die Beweggründe dafür gut verstehen. Der Teufel liegt im Detail:

    Mit einer Kamera auf der optischen Bank wird die Fotografie im Gelände schwierig weil unhandlich.

    Eine Field-Kamera eignet sich dafür besser. Für Architekturfotografie eignet sich ein GF-Kamera hervorragend aufgrund ihrer Verstellmöglichkeiten. Ich würde auf jeden Fall dazu raten eine Kamera mit der Aufnahmemöglichkeit für Standard-Kassetten zu suchen, damit wird die Beschaffung von Kassetten und Filmmaterial deutlich einfacher.

    Portraitfotografie mit GF ist eine Herausforderung: mit 4x5 inch und einem 150mm Objektiv bei 1m Abstand und Blende 8 hast du eine Tiefenschärfe von 0,96 bis 1,04m also etwa 8 cm. Da darf dein Modell nach der Fokussierung keine Bewegung mehr machen.....

    Achtung bei einem Ausflug ins Gelände hast du schnell 15kg oder mehr beisammen. Kamera, Objektiv(e), Kassetten, Beli, Stativ, Filter, Dunkeltuch, Rucksack o.ä.

    Weitere Beachtung gilt der Verarbeitung: Negativ-Entwicklung ist entspannend machbar mit einem Dunkelsack. Aber wie dann weiter? Ich habe dann den hybriden Weg gewählt und die Negative auf der Leuchtplatte liegend digital abfotografiert. Anschließend in Lightroom bearbeitet.

    Für die analoge Positiv-Verarbeitung braucht es das entsprechend große Gerät und den Platz und das Geld dafür.

    Es gibt etliche Berichte über solch ein Unterfangen: hier sei exemplarisch eines erwähnt: GF-Fotografie mit der Wista 45

    Wie oben bereits erwähnt wurde gibt es das Großformatforum, das mit vielen Informationen aufwarten kann.

  • Achtung mit dem Gewicht! Ich hab eine super leichte Chamonix. Aber die Objektive und das übrige Gerödel hauen richtig rein. Ich benutze die inzwischen nur noch für Gruppenfotos bei herausragenden Familienereignissen wie Hochzeiten, 90sten Geburtstagen und dergleichen. Das ganze Event um die Aufnahme hilft, den Verein mit einer gewissen Ernsthaftigkeit bei der Sache zu halten. Und die Bilder haben so eine Art Dreidimensionalität, die ich bei kleineren Formaten noch nie gesehen hab.

    Ulli

  • Die Stenopeika, ich weiß ja nicht, die Führungen sind Laufschienen die bei Schubladen verwendet werden, sieht mir nicht vertrauenserweckend aus.

    Inkl. Steuer und Versand bist Du bei dem Ding auch schon bei 750 Euros.

    Es gibt eine Vielzahl von GF Kameras und verschiedener Systeme.

    Eine Sinar ist keine schlechte Wahl, es gibt kein System das ausbaufähiger ist.

    Eine f1 kann gelegentlich für unter 200 Euros zu bekommen sein. Dazu ein gutes Schneider Symmar 5,6/150mm und vielleicht noch ein 8/90mm Super Angulon und ein 9/240mm G-Claron oder Apo Ronar.

    Dann bist Du voll mit Kamera und Objektiven ausgestattet.

    Der Balgen an der Sinar ist nicht weiter problematisch, die sind auf dem Gebrauchtmarkt für unter 50 Euros zu bekommen und sie sind wechselbar. Ein WW Balgen liegt bei etwa 50 Euros, eine Bankverlängerung ist für etwa 20 Euros zu bekommen.

    Insgesamt könntest Du bei der Sinar eine komplette Ausstattung für das oben genannte Geld bekommen.

    Der Vorteil ist das die Qualität einer Sinar bekannt ist, sie ist wohl über jeden Zweifel erhaben.

    Die f1 lässt sich recht kompakt zusammenlegen was die Meisten gar nicht wissen.

    Wie hier schon erwähnt wurde musst Du Dir aber im Klaren darüber sein das es eine Menge Gewicht und Volumen ist das transportiert werden soll. Allerdings hat es mich nie abgeschreckt, wenn ich die Negative entwickelt habe wurde ich immer dafür entschädigt.

    Das Belichten von einzelnen Negativen, gerade in schwarzweiß hat sehr große Vorteile beim Entwickeln, jede Aufnahme kann individuell der Situation entsprechend entwickelt werden. Das geht bei Mittelformat nicht, zumindest nicht mit Rollfilm.

    Inzwischen nutze ich nur noch Sinar Kameras, ich habe zwar auch noch andere GF Kameras aber die Sinar ist unglaublich praktisch und vielseitig.

    Es ist auch das einzige System welches einen recht zuverlässigen Hinterlinsenverschluss bietet. Es ist auch jederzeit auf ein größeres Format ausbaufähig.

    Eine Mittelformatkamera mit drei Objektiven hat auch ihr Gewicht und klein und kompakt sind die nicht gerade.

    Es wäre sicher gut wenn Du die Kameras mal selber ausprobieren würdest, ich weiß nicht wo Du wohnst aber ich bin gerne bereit Einsteigern im GF bei den ersten Gehversuchen zu helfen, unentgeltlich natürlich.

    Jeder Hersteller wird immer nur mögliche Vorteile seines System erwähnen, die Nachteile aber immer verschweigen. Von daher lieber mit Bewährtem anfangen.

    Wenn Du bestimmte Bereiche in der Fotografie bevorzugst heißt das noch lange nicht das es dabei bleiben wird, daher ist es nicht schlecht ein ausbaufähiges System zu wählen.

    Es ist wohl so das jeder gerne das empfiehlt was er gerade selber benutzt, liegt sicher in der Natur der Sache, daher nochmals mein Rat, versuch irgendwie die Kameras zu testen die Dich interessieren, nur so wirst Du erfahren was für Dich passt.

    Unsere Ruinen werden nicht so schön sein wie die vergangener Kulturen

  • Die erste Überlegung wird sein, was du hauptsächlich mit der Kamera machen willst.

    Bleibst du eher im Haus, im Studio, bei Porträtaufnahmen? Oder auch indoor Porträts an "gruseligen" Orten? Dann wird die Kamera gern schwer sein dürfen.

    Willst du raus, Naturfotografie, Stadt, Architektur, also mehr outdoor? Dann willst du vielleicht was handlicheres.

    Ich hatte letzteres im Sinn und hab mir trotzdem (weil es eine Gelegenheit war) eine Plaubel auf optischer Bank zugelegt.

    Ja, die bringt ihr Kampfgewicht mit, aber aufgrund des großen Korpus fällt das erst beim Aufsetzen aufs Stativ auf. Man kann sie trotzdem noch ganz gut auf dem Stativ hin- und herbewegen, wenn man nicht gerade einen Hexenschuss hat. Meine RB67 ist auch kein Leichtgewicht und eher für Studioarbeit designt, aber ich nehme sie auch in die Hand und stolpere damit durchs Gelände, wenn es sein muss.

    Bisher hab ich nur wenige Bilder damit gemacht, aber das betrifft nur das Handling der Filme. Es ist eine Umgewöhnung, vorauszuplanen und Kassetten mit entsprechendem Film zu laden. Und dann auch loszugehen oder irgendwo hinzufahren, alles auszupacken und auf Motivsuche zu gehen. Ein paarmal war das Motiv weg, bis ich so weit war, oder eine Wolke war vor der Sonne. Solche Sachen.

    Dann an alle Handgriffe denken, die in den kleineren Kameras automatisch ablaufen: Schärfe bestimmen, Schärentiefe, also Blende wählen. Belichtungszeit messen, alles einstellen am Objektiv. Dann den Verschluss zu (ja, vergisst man leicht), Mattscheibe weg und Kassette rein, möglichst nichts mehr verstellen dabei. Schieber raus. Abdrücken. Schieber wieder rein, und zwar umgedreht. Dann Luft holen. Nächstes Bild.

    Zurück zu Hause: In welchen Kassetten ist welche Filmsorte? Filme entnehmen und in entsprechenden Container tun, Gummiband drum. Und Filme entwickeln ist ja auch noch dran, dafür hatte ich mir schon einen Einsatz besorgt, das war überhaupt noch die beste Investition bisher.

    Manches ergibt sich auch erst, wenn man es macht. Ich habe mir Container für belichtete Filme gedruckt, das war sehr praktisch. Das Einlegen der Filme in die Kassetten muss man aber auch erstmal genau üben, ich hab es auch einmal versemmelt, am besten dafür einen Film opfern. Den kann man dann später auch für andere Tests nehmen.

    Obwohl noch viele technische Fehler in meinen bisherigen Aufnahmen stecken, sind die Ergebnisse aber richtig vielversprechend. Und ich hab einen Vergrößerer, der bis 4x5 kann.

    Und dann waren es noch Zeitfragen und Lust (jetzt alles ins Auto packen, und wenn ich da bin, ist sowieso das Licht weg... oder: Da fahr ich mit dem dicken Brummer nicht hin, da sind mir zu viele Leute...) und so, aber ist schon toll, was man damit erreichen kann.

    Vielleicht hilft dir dieser Erfahrungsbericht ein bisschen bei der Entscheidung.

    Grüße

    Rolf

  • Genau! Das war auch immer mein Problem, auf Bildern die Größe und das Gewicht der Objektive abschätzen zu können. Bis ich sie dann selber hatte.

    Ich würde mal sagen, Durchmesser wie beim Mittelformat, aber Länge durchaus geringer. Und sie bestehen immer aus 2 Teilen, die von vorn und hinten auf die Platine geschraubt werden (immer?). Jedenfalls können sie durchaus kompakt und leicht ausfallen, vielleicht wie ein 80er an einer MF, oder eben schwerer. Ein wichtiger Punkt ist wohl auch der Durchmesser. Je größer der ist, umso geringere Anfangsblendenwerte hat man. Aber es ist auch mehr Glas nötig, also sind sie dann schwerer.

    Grüße

    Rolf