Nachtaufnahme eines Stahlwerks

  • Hallo zusammen,

    eben habe ich aus dem Fenster geschaut und von weitem die Dillinger Hütte, ein Stahlwerk, im Nebel gesehen. Das hat mich auf die Idee gebracht, da demnächst mal nachts hinzugehen und ein paar Aufnahmen zu machen. Das Werk hat ja genügend Eigenbeleuchtung. Dennoch ist das keine ganz unheikle Belichtungssituation.

    Der Beli zeigt dann ja gewisse Werte. Die muss ich vermutlich etwas verkürzen, sonst wirkt das Bild wohl "zu normal", also wie am Tag aufgenommen. Hat jemand von euch schon mal was ähnliches fotografiert?

    Und welcher Film ist da empfehlenswert? Zu sowas wie den Cinestill 800T will ich eher nicht greifen. Der macht wahrscheinlich zu viele unnatürliche Halos um die ganzen Lichter.

    Zur Vorstellung der Szenerie hier ein Handyfoto von jetzt aus meinem Fenster. Damit jetzt kein Aufschrei kommt: das Bild ist nur Illustration für meine Frage. Und ich kann relativ nah dran. Das ganze Foto soll von viel näher aufgenommen werden.

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    Viele Grüße

    Thomas

  • Schwierige Situation, der Abstich (oder was das ist) ist ja recht hell, da wirst du keine lange Belichtungszeit brauchen, und dann wird der Rest rundum ziemlich dunkel werden, wenn du die Dampfwolke nicht zu sehr ausbrennen lassen willst.

    Ich weiß nicht, ob das analog einigermaßen hinzukriegen ist, aber die Kapazunder hier wissen vielleicht (oder vermutlich sicher) eine Lösung.

  • Klar ist das Analog hinzukriegen, Farbfilm verdaut gut 6 Blenden Überbelichtung. Im Grunde gilt: Das was noch erkennbare Zeichnung haben soll wird auf Zone III gelegt (-2 Blenden), der Rest fällt schon so wie es soll. Wenns ein schwieriges Motiv ist, klappts evtl. nicht beim ersten mal.

    Film: Portra 160, viel Auswahl hast du ja ohnehin nicht. Wenn schnelle Belichtungszeitenn (z.B. wegen Rauch, Dampf) wichtig sind, dann entsprechend 400 oder 800.

  • Ja, Nachtaufnahmen... Das ist immer so eine Sache. Wenn du dich auf die hellen Bereiche konzentrierst, bekommst du schummrige Bilder mit fetten, schwarzen Bereichen. Wenn du "auf die Schatten" misst, werden die hellen Bereiche überbelichtet und irgendwie sieht alles unnatürlich aus. Irgendwo dazwischen liegt wahrscheinlich die goldene Mitte. Und dazu kommt das Filmformat sowie die Frage SW oder Farbe, denn das bestimmt Körnigkeit und maximal gewünschte Empfindlichkeit.

    Da du vom Cinestill sprichst, nehme ich an, es soll Farbe sein. Ich würde bei KB nur bis 200 gehen, weil bei ISO 400 die Schatten meist zu körnig werden. Bei MF eher 400. Aber es ist nur 1 Blende, muss man sich klarmachen, die spielt hier kaum eine Rolle.

    Immer Stativ, und bei Farbe kannst du die hellen Bereiche locker 5 - 6 Blenden überbelichten, der Spielraum ist zu der Seite gewaltig.

    Miss verschiedene "typische" Bildbereiche an und vergleiche die Zeiten, soweit der noch was anzeigt. Also erst was helles (Mauer direkt unter einer Lampe) nehmen, dann langsam runtergehen bis zu einer Stelle, wo ich später noch was sehen will. Der Beli zeigt dann die Zeit für mittlere Helligkeit dort an, da kannst du 2 - 3 Blenden druntergehen, um noch Zeichnung zu kriegen. Dann rechnest du hoch, wo du dabei oben im Hellen landest. Meistens sind das so 6 Blenden Unterschied. Dann hast du schon ein ganz gutes Mittelfeld.

    Meine letzte Erfahrung waren Altstadtaufnahmen, allerdings in SW und mit gepushtem HP5 (auf 1600, also + 2 Blenden) und Mittelformat, z. B. Dom und so. Nur Laternen. Ich hab immer die Häuserwände genommen als Messpunkte, denn die Häuser will man ja sehen auf den Aufnahmen später. Es ergab sich so ungefähr was bei 1/4 oder 1/8 Sekunde bei 2.8, also 1 Sekunde bei 5.6. Ich hab da einfach 2 Sekunden eingestellt, weil die Kamera das maximal noch selber kann, und bei dunkleren Ecken einfach auf Blende 4 oder 2.8 gestellt. Die Aufnahmen sind dann zum Teil etwas dünn, aber doch brauchbar geworden.

    Nach oben hin übrigens ist alles, was über 1 Sekunde geht, sowieso noch eher gebremst. Selbst wenn du mal 20 Sekunden nehmen würdest, bekämst du zwar den Himmel heller, aber die Lichter fressen irgendwann nicht mehr weiter aus, Schwarzschild sei Dank. Und guter Farbfilm verzeiht ziemlich viel, ich hab mal eine Aufnahme im Gegenlicht von untergehender Sonne gemacht, wo das Gras bei der Vergrößerung irgenwie bei 4 Sekunden und der Himmel bei fast einer Minute lag (also im Labor beim Abziehen auf RA4). Und trotzdem ging das noch gut mit Wolkenzeichnung usw. Das war ein Ektar.

    Ich glaube, ein bisschen Experimentierfreude muss man schon haben, aber vielleicht hilft das ja schon zur groben Einschätzung.

    Grüße

    Rolf

  • Ich habe da schonmal fotografiert. Die Bilder vom Hochofen kamen nicht gut, viel zu hell. Von einem Bereich an der Seite war das damals besser. Da bin ich mir aber nicht mehr sicher, was ich genau angemessen hatte. Das Bild war mit einer Canon T90, die kann Spotmessung. Die habe ich nicht mehr, aber eine OM4 Ti, die kann auch Spotmessung. Ich hatte ein Stativ. Daneben machte ich noch Aufnahmen mit meiner Zenza Bronica S2A, aber die wurden alle nichts, weil ich da noch zu dumm war, den Film richtig einzulegen. Ich werde wohl mal zuerst mit der Olympus eine Bildreihe machen und mir notieren, wie und auf was ich gemessen hatte. Und dann mit den Erfahrungen auf Mittelformat gehen. Und ja, ich möchte es gern in Farbe machen, denn das ist bei dem Motiv schon spannend. So eine Fackel wie auf dem Bild hier, ist nicht immer. Die hier ist Gichtgas, also das Abgas des Hochofens (an der Flammfarbe zu erkennen). Normal wird das aufgefangen, nur wenn das nicht direkt weiterverarbeitet werden kann oder die Speicher voll sind, wird notfalls abgefackelt. Eine Kokerei gibt es auch noch, da ist dann die Fackel - wenn sie brennt - mit gelber Flamme.

    Der Film war ein Kodak Gold.

    04-22 KoG200 T90 21.jpg

    Viele Grüße

    Thomas

  • Wenn die Flamme so hell ist, also deutlich heller als die anderen künstlichen Lichtquellen im Bild, wäre es wichtig, mindestens während der "blauen Stunde" zu fotografieren. Vielleicht ist der Lichtkontrast sogar so hoch, dass es auch bei Tageslicht, vielleicht erstmal bei Bewölkung, möglich ist, einen nachtartigen Bildeindruck zu erzeugen. Das ist ggf. nicht ganz leicht, weil man auch nicht weiss, ob die Flamme jedesmal die gleiche Helligkeit hat. Ich würde das vorher erstmal mit einer Digitalkamera ausprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Belichtungsparameter und welches natürliche Licht ungefähr sinnvoll sind.

    Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)

  • Zu sowas wie den Cinestill 800T will ich eher nicht greifen. Der macht wahrscheinlich zu viele unnatürliche Halos um die ganzen Lichter.

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    Probiere Silbersalz500- nutzt den gleichen Originalfilm von Kodak, hat aber den Remjet und auch einen wohl viel besseren Lichthofschutz. Die Nachtbilder, die ich damit im Netz gesehen habe (Stichwort: Bastian Kratzke) kommen damit richtig gut. Lässt sich wohl auch gut pushen.

  • Ich habe das früher auch probiert. Aus meinen damaligen Zimmer konnte ich Duisburg sehen. Der Tipp mit der blauen Stunde ist gut. Sprich entweder vor Sonnen-Aufgang oder -Untergang. Ansonsten werden die Kontraste zu hoch und das lässt sich analog nicht mehr oder nur sehr schwer printen.

    Ja es ist korrekt das der Film selber eine Menge verträgt, aber leider das Papier nicht. Bei Farbe brauchst du dann eine Silbermaske um die Kontraste auszugleichen.

    Ich habe noch keine Silbermaske für Kleinbild hinbekommen => Mittelformat ist fast schon Pflicht.

    Tatsächlich würde ich bei solchen Aufnahmen erst ein Sofortbild machen um zu sehen was möglich ist.

    Zu den Filmen: Kodak Vision in ECN2 ist sicher hier eine gute Wahl da dieser weicher arbeitet als herkömmliche Negativ-Print-Filme. Das senkt noch einmal den Kontrast der kopiert werden muss.

  • Vielen Dank für Eure Tipps. Einen Silbersalz wollte ich eh mal testen. Das könnte gut werden. Und bei Silbersalz lässt sich ja m.w. auch die Entwicklung mit Scannen kaufen.

    Und ich teste auch mal in s/w. Und einen Gold könnte ich auch mal noch ausprobieren. Manchmal lohnt es sich, genau aufzuschreiben, wir man fotografiert hat.

    Viele Grüße

    Thomas