Benötige Hilfe bei Fehlersuche: 2 Beispiele

  • Hallo zusammen,

    ich habe gestern meine 27 Filme aus dem Fachlabor per Paket zurückbekommen. Filme, die ich kürzlich auf meiner ein-monatigen-Reise gen Spitzbergen gemacht habe.
    Alle Filme sind mit einer Hasselblad 500c/m aufgenommen - die Lichtdichtungen beider Magazine wurden erst letzten November hier in Ahrensburg komplett erneuert.

    Nun plagen mich jedoch zwei Probleme:

    1. Schwarz-Weiß-Filme & Lichtstreifen an den Seiten

    Wie Ihr an folgendem Beispiel sehen könnt, habe ich auf fast alles S/W-Filmen diese extremen Lichtstreifen an den Rändern. Ich hatte diese Streifen bereits letztes Jahr auf meiner längeren USA-Reise und habe daraufhin bei Hrn. Kühn die Lichtdichtungen neu machen lassen. Ich habe nun allerdings immer noch dieselben Probleme.
    Jetzt frage ich mich: liegt es doch am Scan-Prozess oder -Aufbau?
    Auffallen tun sie mir nur bei den S/W-Bildern. Vielleicht sieht man es bei Farbe aber nur deutlich weniger?

    Hier ein aktuelles Beispiel sowie eines vom letzten Jahr:

    _DSC1732.jpg

    _DSC9955.jpg


    2. Filme sind nach dem Scan viel zu dunkel

    Ich habe das erste Mal analog Schnee & Eis fotografiert. Habe mich vorher auch reichlich belesen und gelesen, dass man das Bild ruhig 1-2 Blenden überbelichten soll, damit der Schnee auch wirklich weiß und nicht grau wird. Ich arbeite mit einem externen Belichtungsmesser (Sekonic 758).
    In diesem Fall sind wir, wie auch schon beim ersten Beispielbild oben, durch mehrere Gürtel von Packeis gefahren, welches aus den Buchten Spitzbergens getrieben wurde.
    Es war zwar bewölkt und grau - jedoch war es keine "dunkle" Bewölkung und auch generell wirklich sehr hell.
    Ich habe einige Farb- sowie Schwarz-Weiß-Filme belichtet, die allerdings alle viel zu dunkel rausgekommen sind. Spätere Schneebilder von der Insel sind alle super! Da habe ich mich erst gefragt: hatte ich im Kopf einen Knoten und aus Versehen unter- statt überbelichtet? Jedoch sind die Negative alle sehr dunkel und zeugen davon, dass richtig viel Licht raufgekommen ist. Das kann es also eigentlich nicht sein.
    Daraufhin habe ich mich gefragt, ob ich was an meinem Scan-Prozess ändern muss. Ich habe bisher meine Bilder immer mit fester ISO, fester Blende und Zeitautomatik an meiner Sony 7R digitalisiert - das hat an sich super geklappt. Habe dann probiert den Streifen erneut zu fotografieren und das Negativ 2 Blenden unterbelichtet (laut Anzeige der Sony-Kamera), so dass es "dunkler" ist, bevor ich es mit Negative Lab Pro umwandle (vielleicht war die Idee quatsch aber ich wollte etwas herumprobieren). Das hat aber nicht geholfen. Am Ende sah das Bild nahezu genauso .. nur etwas verwaschener/grauer aus.
    Habt ihr eine Idee? Habe ich falsch fotografiert? Wurde falsch entwickelt oder kann ich was beim Scannen anders machen?
    -> Was ich außerdem merkwürdig finde, sind diese vertikalen Streifen übers gesamte Bild, die man vor allem im Himmel sieht. Die habe ich sonst auch nicht auf jedem Film.

    _DSC1763.jpg

    _DSC1764.jpg


    Ich freue mich sehr über euren Input, da ich selbst gerade nicht mehr weiter weiß.

  • Die Lichtdichtungen im Magazin sind es ziemlich sicher nicht, das sieht anders aus. Eine Art heller "Blitz" der von der Seite der Schieber-Öffnung herkommt. Sieht für mich eher nach Entwicklungsfehlern aus - sind denn diese Streifen auch auf dem Negativ auf der Leuchtplatte zu sehen oder nur im Scan?

    Zweitens wurde wohl leider deutlich unterbelichtet, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Ich bin bei schwierigen Lichtverhältnissen mit der Handmessung bzw. Messung auf mittleres Grau (falls irgendwo zu finden) am besten gefahren, von der pauschalen Zugabe von Blendenwerten würde ich eher abraten - weil man eben nicht weiss, wie weit daneben der Startwert lag.

    Schade, wenn solche technischen Fehler einem Filme mit Aufnahmen ruinieren, die man leider so wohl nicht mehr so schnell machen kann. Analogfotografie kann schön sein, aber manchmal leider auch gnadenlos. Trotzdem wäre ich auf weitere Bilder aus dem Polarkreis gespannt.

  • Hallo Sebastian.

    Wie sieht denn das SW-Neg vom Bild 1 bloßen Auges aus? Sind die beiden breiten, dunklen Streifen auch im Neg als breite, helle Streifen zu erkennen? Wenn ja, dann ist der Scanprozess nicht mehr unter den Verdächtigen.

    Neg 2 zeigt nach meiner Erfahrung ein Agitationsproblem bei der Entwicklung in Spulen: Die hellen Ränderim Positiv sind die Folge dunkler Ränder im Negativ sind die Folge stärkerer Entwicklung an den Spulenrändern. Dies passiert, weil bei ungeeigneter Agitation der Entwickler an den Spulenrändern besser ausgetauscht wird als der Entwickler, der tiefer in der Spule ist. Dort drinnen verliert er im Lauf der Entwicklungzeit weit mehr von seiner Kraft und das Negativ fällt zur Mitte heller aus als an den Rändern. 120er Filme sind da besonders anfällig für diesen Effekt, weil sie so breit sind und der Entwickleraustausch entsprechend schwieriger wird.

    Nachdem ich den Effekt zum ersten Mal im eigenen Labor erlebt hatte war mir auch klar, warum man in den Profilabors mit dem Einblasen von Stickstoff, unten in die Tanks, die Agitation betrieb. Zuvor hielt ich das nur für ein Schießen auf Spatzen mit Kanonen.

    Ich vermute, dass auch der Fehler im Neg 1 auch auf einem Entwicklungs-/Agitationsproblem herrührt. Allerdings nicht mit Spulen, sondern in der Hängeentwicklung.

    SG,

    Andreas

    "Digital is made to forget, analogue is made to remember!"
    [Robert Polidori, kanadischer Fotograf, zitiert von Gerhard Steidl in der Süddeutschen Zeitung]

  • Hallo ihr beiden,

    vielen Dank für euer Feedback schonmal!

    @ Jan:
    Ich habe teilweise sogar mit Portra 800 fotografiert. Bei der Belichtungsmessung halte ich es mit den Zonensystem von Ansel Adams. Ich messe einmal alles im Bild und nutze den Werten dessen, was ich auf Mittelgrau haben möchte. Da habe ich dann teilweise noch 1-2 Blenden drauf gepackt.
    Daher kann ich mir eine Unterbelichtung eigentlich nicht vorstellen. Hier mal ein Bild von einem Negativ:
    .. was denkst du? Ich will Fehler bei mir auf keinen Fall ausschließen!

    IMG_4454.JPG


    @ Andreas:
    Vielen Dank für deine Erklärung! Ich kann mir vorstellen, was du meinst. Solche Phänomene hatte ich auch schon manchmal, wenn ich S/W selbst entwickelt habe. Jedoch betraf das, in meinem Fall, auch die Ränder des Negativs. Hier sehen die Ränder jedoch einwandfrei aus - nur das Bild per sé weist diese Effekte auf. Oder reden wir dann von unterschiedlichen Dingen?

    @ Beide:
    Die weißen Ränder in den S/W-Bildern sieht man auch als dunklen Streifen auf dem Negativ! Okay - damit ist das Scannen schonmal raus. Ich habe auch einen S/W-Film, vom Beginn der Reise, bei dem es ebenfalls sichtbar ist, jedoch deutlich weniger extrem.
    Wie gesagt: auf dem Gefängnisbild sieht man, dass ich dieses Problem (selbes Labor) bereits im Oktober '23 hatte. Das kann dann ja schon kein Zufall mehr sein und müsste dann ja dutzende Kunden betreffen, wenn es am Labor liegt? Sonst muss ich da mal nachhaken. Ich wollte nur nicht, ohne wirkliches Wissen darüber, Jemanden beschuldigen.

    Bei allen Fehlern bin ich am Ende viel weniger traurig, wenn es meine eigene Schuld ist, denn da kann ich draus lernen. Wenn ich jedoch ein Fachlabor (gut!) bezahle, welches mir meine Negative "kaputt" macht .. falsch entwickelt und stark zerkratzt, dann ärgert mich das umso mehr. Daher hoffe ich immer eher auf Ersteres.

  • Warum fragst Du denn nicht erstmal bei dem Fachlabor nach anstatt hier mit Scans die Glaskugelfraktion zu beschäftigen? ;)
    Eine solche Nachfrage hat ja rein gar nix mit Beschuldigung zu tun.

    Das Labor ist natürlich Dein allererster Ansprechpartner. Und da geht es auch nur um die Filmentwicklung, Scans sind in jedem Fall völlig irrelevant zur Beurteilung der Filmentwicklung.

    Wenn es sich wirklich um ein Fachlabor handelt, ist Dir kompetente Beurteilung und Hilfe i.d.R. sicher.

    Falls es sich aber um eins dieser vielen neuen Labore handelt, die sich zwar Fachlabore nennen, aber eigentlich nur Currywurstbuden mit den Fuji-C41- Drogeriemarktprozessoren sind, kannst Du nicht viel Kompetenz erwarten. Ausnahmen bestätigen natürlich in beiden Fällen die Regel.

  • Die weißen Ränder in den S/W-Bildern sieht man auch als dunklen Streifen auf dem Negativ!

    Hallo Sebastian,

    von der Lichtdichtung kann es auch nicht kommen weil diese bei einem Defekt nur eine Seite des Films belichten würde.

  • Das Labor ist natürlich Dein allererster Ansprechpartner.

    Das sehe ich auch so. Schlechte Erfahrungen mit den Laboren sind der Grund, warum ich keinen Film mehr aus der Hand gebe. Wirkliche Fachlabore gibt es leider nur noch wenige. Kommentare zu empfehlenswerten Adressen sind für dich evtl. hilfreich.

    Am schwersten fällt es uns, das zu sehen, was wir vor Augen haben.   Johann Wolfgang von Goethe (1749—1832)

  • Hallo,

    ich möchte mit einer Überlegung zum Fehler der in Bild 1 gezeigten Streifen beitragen. Angenommen diese Feder wiederholen sich noch einige Male auf dem Film, mit ähnlichem Abstand aber abnehmender Schwärzung. Dann würde ich auf einen schmalen, einseitigen Lichteinfall auf den aufgerollten aber bereits von der Schutzfolie befreiten Film tippen. 🥸

    ciao, Maik

  • Hallo Sebastian,

    Scans sind in der Tat irrelevant, das Negativ ist entscheidend.

    Du solltest, wenn du keine Dunkelkammer / Positivlabor hast, die Negative auf einem Leuchtpult anschauen.

    Zum ersten Scan: Die breiten Streifen längs über dem Bild kann ich nur insofern interpretieren, als daß das nicht nach Lichteinfall vom Magazin aussieht. Die Dünnen, hellen Streifen am Rand links und rechts sind typisch für Rollfilm, der beim Einlegen / Filmwechsel viel Tageslicht abbekommen hat.

    Der Scan sieht flau aus. Das kann man nur am Negativ selbst beurteilen!

    Wenn die Negative ebenfalls flau aussehen, liegt es wahrscheinlich daran, daß die Filme unterentwickelt sind, da Du Dir ja, wie Du schreibst, beim Belichten viel Mühe gegeben hast.

    Es gibt jedoch noch zig andere Fehlerquellen, von denen ich Dir und wahrscheinlich viele andere Kollegen aus eigener Erfahrung berichten können....

    Gruß,

    Thomas

  • Einfach mal ein besseres Bild vom Negativ auf der Leuchtplatte einstellen bzw. einfach mal genau anschauen. Für mich sehen die erstmal komplett in Ordnung aus. Kann da auch keine Streifen erkennen, könnte schon sein, dass das eine Reflexion oder Lichteinfall beim Digitalisieren ist.

  • Bitte entschuldigt meine lange Abwesenheit. Das Wochenende lockte mit hohen Temperaturen und die Woche über war der Teufel los im Büro ^^.

    Warum fragst Du denn nicht erstmal bei dem Fachlabor nach anstatt hier mit Scans die Glaskugelfraktion zu beschäftigen? ;)
    Eine solche Nachfrage hat ja rein gar nix mit Beschuldigung zu tun.

    Hallo Lutz,

    prinzipiell gebe ich dir recht. Aber Labor ist nicht gleich Labor und entscheidend sind die Menschen, die dort arbeiten. Ich hatte schon völlig zerkratzte Filme aus Laboren bekommen, wo man jegliche Schuld von sich wies und meinte Kodak hätte halt miese Qualität (an meinen Kameras lag es nachweislich nicht). Ich schrieb ja auch eingangs, dass ich nach Hinweisen eurerseits fragen wollte, ob ihr vielleicht einen Fehler an anderer Stelle seht oder vermutet. Mit geballtem Wissen dann würde ich auch das Labor kontaktieren. Und für solche 'Diskussionen' empfinde ich ein Forum als genau die richtige Anlaufstelle.

    Hallo,

    ich möchte mit einer Überlegung zum Fehler der in Bild 1 gezeigten Streifen beitragen. Angenommen diese Feder wiederholen sich noch einige Male auf dem Film, mit ähnlichem Abstand aber abnehmender Schwärzung. Dann würde ich auf einen schmalen, einseitigen Lichteinfall auf den aufgerollten aber bereits von der Schutzfolie befreiten Film tippen. 🥸

    ciao, Maik

    Hallo Maik,

    vielleicht verstehe ich deinen Gedanken nicht richtig aber wie soll ein einseitiger Lichteinfall Streifen an beiden Enden eines Filmes verursachen?
    Generell habe ich mir nochmal meine Farbfilme angesehen und bin der Meinung auch dort dieses Problem zu sehen - nur, dass es dort kaum bis gar nicht auffällt.

    Zum ersten Scan: Die breiten Streifen längs über dem Bild kann ich nur insofern interpretieren, als daß das nicht nach Lichteinfall vom Magazin aussieht. Die Dünnen, hellen Streifen am Rand links und rechts sind typisch für Rollfilm, der beim Einlegen / Filmwechsel viel Tageslicht abbekommen hat.

    Der Scan sieht flau aus. Das kann man nur am Negativ selbst beurteilen!

    Wenn die Negative ebenfalls flau aussehen, liegt es wahrscheinlich daran, daß die Filme unterentwickelt sind, da Du Dir ja, wie Du schreibst, beim Belichten viel Mühe gegeben hast.

    Der Negativstreifen auf dem Leuchtpult sieht mir aber nicht nach Unterentwicklung aus.

    Hallo Thomas,

    Thomas, bzgl. deiner Annahme zu den weißen Streifen am Rand: das dürfte doch dann aber nur die ersten Bilder betreffen, oder? Schau dir mal bitte folgenden Screenshot an. Dort, wo die weißen Streifen nicht zu erkennen sind, habe ich mit einem Verlaufsfilter in LR gegen gearbeitet. Ansonsten sind diese konstant über den gesamten Film vorhanden.

    Bildschirmfoto 2024-05-16 um 16.11.28.png


    @ Thomas & Christof,

    ich finde zumindest dass das Negativ nicht unterbelichtet aussieht, weshalb ich eine Fehlbelichtung doch ausschließen kann. Ich habe Fotos, welche deutlich weniger Licht abbekommen habe, die dennoch viel besser aussehen. Aus diesem Grund wäre eine Unterentwicklung eher mein Verdacht als Laie.

    Einfach mal ein besseres Bild vom Negativ auf der Leuchtplatte einstellen bzw. einfach mal genau anschauen. Für mich sehen die erstmal komplett in Ordnung aus. Kann da auch keine Streifen erkennen, könnte schon sein, dass das eine Reflexion oder Lichteinfall beim Digitalisieren ist.

    Hallo Bastian,

    die dunklen Streifen an den Rändern jedes Negativs sind auf jeden Fall vorhanden. Kann also nicht vom digitalisieren kommen.

    Ich werde morgen mal probieren im Labor anzurufen und ihm vorher einige Bildbeispiele zusenden.